Bericht des Präsidiums der Technischen Universität Berlin an das Konzil am 21. Februar 2000

[TU Berlin]

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D. Bericht des Zweiten Vizepräsidenten zum Bereich Studium und Lehre

1. Studienreform

Lehre und Studium an einer Universität bedürfen der ständigen Aktualisierung von Inhalt und Methode. Die Technische Universität Berlin will dabei ihre Absolventen zum einen auf die geänderten Anforderungen der beruflichen Praxis vorbereiten, die neben den fachlichen und methodischen Kenntnissen in wachsendem Maße auch soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen voraussetzt. Die TUB hat zum anderen die wachsende Internationalisierung des Arbeitsmarktes im Blick, der den nationalen und internationalen Bildungswettbewerb anstachelt. Dafür möchte die TU Berlin ihren Absolventen bestmögliche berufliche Startchancen mitgeben.

Um diese Ziele zu erreichen und zugleich einen kontinuierlichen Prozess der Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung zu befördern, sind von mir im Berichtszeitraum eine Reihe von Initiativen weitergeführt bzw. gestartet worden.

1.1 Leitlinien zur Studiengangsentwicklung

Mit dem Ziel einer entsprechenden Weiterentwicklung der Studiengänge werden in einer Arbeitsgruppe des Akademischen Senats Leitlinien ausgearbeitet, die nach der Verabschiedung im laufenden Wintersemester Richtschnur für die Fachbereiche bzw. Fakultäten sein werden. Die thesenartig formulierten Leitlinien sollen zugleich als Grundlage für die Abfassung von Zielvereinbarungen in der Lehre sowie für die künftigen Evaluationen der Studiengänge dienen. Die Leitlinien behandeln Themen wie:

  • Einheit von Forschung und Lehre
  • TU-spezifische Studienziele
  • Fachliche und soziale Kompetenz
  • Chancengerechtigkeit für alle Studierenden
  • Studierbarkeit
  • Modularisierung sowie moderne Lehr- und Lernformen
  • Internationalität
  • Überfachliche Studienanteile
  • Praxisorientierung
  • Qualitätssicherung

Dabei ist vorgesehen, im Rahmen der Zielvereinbarungen zwischen der Hochschulleitung und den Fakultäten Art und Umfang von Maßnahmen zur Erfüllung dieser Leitlinien verbindlich zu vereinbaren. Grad und Erfolg der Umsetzung sollen über die Lehrleistungskriterien budgetwirksam bewertet werden.

1.2 Lehrleistungskriterien

Um auch Ausstattungsanreize für die Studienreform zu bieten, wird die TU Berlin einen Teil (25 %) der Mittel für Akademische Mitarbeiter nach Lehrleistungen vergeben. Die Kriterien dazu werden zur Zeit in einer AG gemeinsam mit der LSK erarbeitet. Es ist geplant, dem Akademischen Senat zum 15.3.2000 im Zusammenhang mit der Budgetierungsdiskussion einen Entwurf vorzulegen. Neben quantitativen Kriterien (Anfängerzahlen, Absolventenzahlen etc.), die durch eine geeignete Verrechnung auch Anreize zur Verkürzung der Studienzeiten schaffen sollen, sind auch qualitative Kriterien vorgesehen, die die Inhalte der Studienreform betreffen und die im Rahmen von Zielvereinbarungen mit den Fachbereichen ausgestaltet werden sollen.

1.3. Gestufte Studiengänge, Akkreditierung

Im Interesse einer internationalen Öffnung sollen an der TU Berlin in geeigneten Fächern neben den bewährten Diplom- und Magisterstudiengängen auch die neuen gestuften Abschlüsse Bachelor und Master erprobt werden. Um deren nationale und internationale Attraktivität zu gewährleisten, legt die Universität jedoch großen Wert darauf, dass diese neuen Abschlüsse hohen Qualitätsansprüchen genügen. Sie hat sich daher 1998 gemeinsam mit mehr als 30 anderen Universitäten zu einem Akkreditierungsverbund für die Ingenieurstudiengänge (AVI) zusammengeschlossen, der gemeinsam mit den Fakultätentagen und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die neuen Studiengänge prüfen und nur bei Erfüllung hochgesetzter Standards akkreditieren wird. Die TUB arbeitet an der Definition dieser Kriterien mit.

Eine Arbeitsgruppe des Akademischen Senats und der LSK bereitet derzeit Empfehlungen vor, die solche Mindeststandards bei der Einrichtung von Bachelor- und Masterstudiengängen sicherstellen soll. Die Verabschiedung im AS ist noch für das laufende Semester vorgesehen.

1.4. Evaluation von Studiengängen

Die TU Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, den Aufbau von systematischer Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung sicherzustellen. Sie hat sich außerdem im Hochschulvertrag mit dem Land Berlin zur Evaluation von 6 Studiengängen mit insgesamt mindestens 20 % der Studierenden verpflichtet. Zur Zeit sind zunächst die Fachbereiche Physik, Chemie, Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaft, Maschinenbau und Produktionstechnik, Elektrotechnik und Informatik aufgefordert, eine Evaluation ihrer Studiengänge durchzuführen. Dabei ist nach einer internen Evaluation eine externe Begutachtung vorgesehen. Die Evaluation soll auf den vorgelegten Lehrberichten aufbauen und zu einer Profilschärfung auch vor dem Hintergrund zukünftiger Akkreditierungen führen. Die Evaluation der ersten Rate von Studiengängen soll bis zum 1.6.2001 abgeschlossen sein.

1.5 Frauenförderung aus HSP III Mitteln

Die TU Berlin ist bemüht, den Anteil an Frauen sowohl bei den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen Personal zu erhöhen. Das gilt in ganz besonderem Maße für die ingenieur- und die naturwissenschaftlichen Fächer. Im Rahmen der Hochschulverträge hat die TUB sich verpflichtet, in absehbarer Zeit über entsprechende Maßnahmen und Erfolge Rechenschaft abzulegen. Im Berichtszeitraum wurden ein Gastprofessorinnenprogramm und eine Promotions- und Habilita-tionsabschlussförderungsprogramm gestartet. Insgesamt werden im Berichtszeitraum 12 Gastprofessorinnen eingeladen und 17 Stipendien vergeben. Die Auswahl erfolgte auf Vorschlag des Frauenbeirats und der FNK. Es ist vorgesehen, das Gastprofessorinnenprogramm nach Auslaufen des HSP III-Programms in reduziertem Umfang weiterzuführen.

1.6 Nachhaltigkeit

Alle Initiativen zur Studienreform können nur erfolgreich sein, wenn die Beteiligten an diesem Prozess - Hochschullehrer, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten beiderlei Geschlechts - bereit sind, aktiv mitzuwirken. Daher wird von VP 2 viel Zeit investiert, um in persönlichen Gesprächen in den verschiedenen Fachbereichen das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Reformprozesses zu stärken und dabei zugleich konkrete Umsetzungsmaßnahmen zu verabreden.

2. Verwaltungsmaßnahmen

Die TU Berlin will sich auch in der Lehre in stärkerem Maße als bisher zum kundenorientierten Dienstleister weiterentwickeln. Die hierfür nötigen Maßnahmen reichen von studenten freundlicheren Verwaltungsabläufen über Fördermaßnahmen für weibliche Studierende bis zu Informationsveranstaltungen in den Berliner und Brandenburger Schulen.

2.1 Abteilung I

Die Abteilung I ist zum 1.1.2000 aufgelöst worden. Die Referate I/1, IB, IC, ID und IF sind nunmehr in einem Modellversuch direkt der Leitung des Zweiten Vizepräsidenten unterstellt. Zunächst geht es darum, den Service trotz der zahlreichen vakanten bzw. weggefallenden Stellen aufrecht zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern. Auch hier ist das Ziel von VP 2, die Bereitschaft der Beteiligten für kundenorientierte Dienstleistung durch persönliche Gespräche zu befördern. Eine Initiative besteht in der Schaffung eines Studierendenservicecenters (TUSO), das in einem Frontofficebereich die Kernkompetenzen der Referate IB, ID und IF anbietet. Auf diese Weise sollen die Studierenden alle Dienstleistungen aus einer Hand erhalten, bei vertiefendem Bedarf erfolgt eine Verweisung in den Backoffice Bereich.

2.2. Statistikgruppe

Aufbauend auf der Initiative des Vorgängers des derzeitigen VP 2 ist seit Juni 1999 eine Statistikgruppe eingerichtet worden, die sich als Kernaufgabe mit der Erstellung von Studierendenstatistiken beschäftigt, aber auch speziellen Bedürfnissen der Fachbereiche nachkommt und auf der Basis der bei IB erhobenen Daten individuelle Auswertungen erstellt. Damit liegt nunmehr rasch verfügbares und belastbares Zahlenmaterial für diesen Bereich vor.

3. Jubiläumsausstellung

Zur Vorbereitung der Ausstellung anlässlich des TU-Jubiläums "200 Jahre Bauakademie und 100 Jahre Promotionsrecht für Technische Universitäten" wurde vom Zweiten Vizepräsidenten eine Arbeitsgruppe geleitet, die sich mit der Konzeption der Ausstellung und der Ausgestaltung der Exponate befasste.


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