[TU BERLIN]


TU Berlin - Hochschulstrukturplan März 1998



         

1.5 Verteilung der Stellen für Akademische Mitarbeiter

Der zweite Schritt betraf die Verteilung der zur Verfügung stehenden Stellen für Akademische Mitarbeiter - das sind: BAT II a-Qualifikationsstellen, C1 und C2-Stellen, Stellen für akademische Räte und Oberräte sowie Dauerstellen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Dabei wurde von den folgenden grundsätzlichen Überlegungen ausgegangen:

Die Personalausstattung einer Universität dient der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben. Nach dem Hochschulrahmengesetz und dem Berliner Hochschulgesetz stehen im Vordergrund die Pflege und Entwicklung von Wissenschaft und Kunst durch Forschung, Lehre, Studium und Vorbereitung auf berufliche Tätigkeiten. Universitäten fördern zudem den wissenschaftlichen Nachwuchs, dienen dem weiterbildenden Studium, fördern den Wissenstransfer und die Internationale Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und wirken darauf hin, daß Frauen und Männer in den Hochschulen die ihrer Qualifikation entsprechend gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben und die für Frauen bestehenden Nachteile beseitigt werden.

Der Ausstattungsplan muß das Ergebnis eines Abwägungsprozesses zwischen den genannten Aufgaben sein, in dem quantitative und qualitative Aspekte gleichermaßen Berücksichtigung zu finden haben. Im Lichte der gestiegenen Belastungen der Hochschulen durch die geburtenstarken Jahrgänge und die Verschlechterung der Betreuungsrelationen (wissenschaftliches Personal je Student) sind in den letzten Jahren die qualitativen Aspekte oft nicht gebührend gewürdigt worden. Der Wissenschaftsrat betont daher in seinen Perspektiven der Hochschulen in den 90er Jahren, daß die Personalplanung eine Universität vor allem vier Aufgaben Rechnung tragen muß:

  • Verbesserung der Forschungsqualität,
  • Verbesserung der Lehrqualität und der Lehrbedingung,
  • Intensivierung der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und
  • Intensivierung von Dienstleistungen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Der vorgelegte Ausstattungsplan folgt diesen Zielen.

Die Verteilung der Stellen für akademische Mitarbeiter erfolgte wiederum in mehreren Teilschritten:

Bildung eines zentralen Stellenpools

Zunächst wurden von der nach den Haushaltsdaten insgesamt zur Verfügung stehenden ca. 1120 Stellen (siehe hierzu Ausführungen unter II. 1) 120 Stellen für zentrale, antragsgebundene und begutachtungsfähige Förderinstrumente für Forschung, Lehre und wissenschaftlichen Nachwuchs reserviert. Dieser Stellenpool dient im einzelnen:

  • der Initiierung von Forschungsschwerpunkten (ca. 20 Akademische Mitarbeiter),
  • Projekt- und antragsgebundene, begutachtungsfähige Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre (ca. 20 Akademische Mitarbeiter),
  • Infrastrukturmaßnahmen zur Förderung von fachbereichsübergreifenden, profilbestimmenden Schwerpunkten in Lehre und Forschung (ca. 35 Akademische Mitarbeiter),
  • der temporären, gezielten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch C1-Stellen (ca. 25 Akademische Mitarbeiter) und
  • der Förderung von Frauen in der Wissenschaft (ca. 20 Akademische Mitarbieter).

Da dieser Stellenpool dem auf die Fakultäten und wissenschaftlichen Bereiche zu verteilenden Stellenvolumen entzogen wird, leisten alle Fakultäten/Wissenschaftsbereiche ihren Beitrag zu diesem Förderpool, der durch zentrale Steuerung zweckgebunden wieder an die Wissenschaftsbereiche verteilt wird. Eine Ausnahme für die NC-betroffenen Bereiche läßt sich hinsichtlich dieser zentralen Aufgabe trotz der entgegenstehenden Interessen der Studienbewerber nicht empfehlen. Die genannten zentral gesteuerten Förderinstrumente müssen auch von den NC-betroffenen Bereichen wahrgenommen werden. Insbesondere wird davon ausgegangen, daß auch NC-Bereiche von diesem zweckgebundenen Pool profitieren und daß diese Stellenbindung somit kapazitätsneutral ist.

Verteilungsschlüssel

Für die danach zur Verteilung an die Fakultäten und wissenschaftlichen Bereiche zur Verfügung stehenden ca. 1000 Stellen für akademische Mitarbeiter wurde in Anlehnung an Empfehlungen des Wissenschaftsrates und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Aufgaben der Universität sind die folgenden Ausstattungsverhältnisse das Ergebnis des im nachstehend dargestellten Abwägungsprozesses:

  • ca. 45 % (450 Stellen) Grundausstattung
  • ca. 25 % (250 Stellen) Ausstattung nach Forschungsleistungen
  • ca. 25 % (250 Stellen) nach Lehrleistungen
  • ca.   5 % (  50 Stellen) Korrekturausstattung für NC-Bereiche

Zur Grundausstattung

Die Grundausstattung soll die prinzipielle Arbeitsfähigkeit der Fachgebiete in Abhängigkeit von ihrer disziplinspezifischen Charakteristik sicherstellen. Sowohl bei der Bemessung des Anteils der Grundausstattung am Gesamtvolumen der zu verteilenden Stellen wie bei der Gewichtung der fachspezifischen Charakteristika der unterschiedlichen Disziplinen folgt der Plan den Maßstäben des Wissenschaftsrates.

Für die an einer technischen Universität vertretenen Fächer hat dieser in den Empfehlungen für die Planung des Personalbedarfs der Universitäten im wesentlichen drei Gruppen gebildet:

  • Experimentell arbeitende Natur- und Ingenieurwissenschaften,
  • Mathematik, Planungs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
  • Sprach- und Kulturwissenschaften.

Aus den vom Wissenschaftsrat für diese Fächergruppen angesetzten Personalrichtwerten lassen sich etwa folgende fächerspezifischen Relationen (Verhältnis Professuren zu Akademische Mitarbeitern) für eine Grundausstattung ableiten:

    
  • Geisteswissenschaften
  • 1:1   
  • Mathematik, Planungs-, Wirtschafts-, Sozialwissenschaften
  • 1:1,5
  • Natur- und Ingenieurwissenschaften (einschl. Informatik)
  • 1:2   

    Die den einzelnen Fakultäten und Wissenschaftsbereichen zuzuteilende Stellenzahl errechnet sich, indem von der sich nach diesem Schlüssel ergebenden jeweiligen Soll-Grundausstattung der Prozentsatz abgezogen wird, um den die Anzahl der insgesamt für die Grundausstattung zur Verfügung stehenden Stellen hinter der sich nach diesem Schlüssel ergebenden Soll-Ausstattung insgesamt zurückbleibt.

    Die sich so ergebende Grundausstattung der Fakultäten und Wissenschaftsbereiche berücksichtigt sowohl disziplinspezifische Aspekte der Vergleichbarkeit und damit die Konkurrenzfähigkeit, als auch studiengangsspezifische Kriterien. Sie berücksichtigen die unterschiedlichen Belastungen der Fächer durch Lehre, ohne von der Studentenzahl abhängig zu sein. Sie ist insofern eine Ausstattung für den "ersten" Studenten, d. h. durch sie wird die inhaltliche Qualität eines Studiengangs gesichert.

    Diese Ausstattung ist zunächst eine solche für einen Wissenschaftsbereich, nicht für einzelne Professuren. Sie impliziert aber, daß im Rahmen der internen Verteilung auf die einzelnen Fachgebiete grundsätzlich jeder Professur eine Stelle eines Akademischen Mitarbeiters a priori zugesichert werden kann. Eine Ausnahme bilden die Geisteswissenschaften und der Bereich der Lehrerbildung: Hier wird jedem Fachgebiet a priori eine 2/3 Stelle pro Fachgebiet zugedacht.

    Auch bei der Verteilung der verbleibenden 55% des verteilbaren Stellenvolumens für akademische Mitarbeiter orientiert sich der Plan an den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Planung des Personalbedarfs der Universitäten. Auch wegen der NC-Problematik hat der Wissenschaftsrat ein "Komponentenmodell" vorgeschlagen, in dem der über die Grundausstattung hinausgehende Personalbedarf für Lehre, Forschung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die genannten Dienstleitungen unabhängig voneinander bestimmt wird. Dabei soll der Personalbedarf für die Komponente Lehre anhand von modifizierten Curricularnormwerten ermittelt werden. Die Komponente Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs soll die Grundausstattung in forschungsintensiven Bereichen verstärken und unabhängig von der Zahl der Studienplätze sein. Die Komponente Dienstleitung sei im jeweiligen Einzelfall festzulegen. Sie ist an dieser Universität in den Grundzügen durch die Arbeitsgruppen Wissenstransfer (WTB) und Zentraleinrichtung Kooperationen (ZEK) gesichert.

    Diesem Komponentenmodell des Wissenschaftsrats folgend werden die verbleibenden Stellen für Akademische Mitarbeiter den einzelnen Wissenschaftsbereichen nach leistungsorientierten Aspekten in Lehre und Forschung zugeordnet. Das Hochschulrahmengesetz und ebenso das Berliner Hochschulgesetz definieren einerseits Lehre und andererseits Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als gleichwertige Aufgaben der Universität. Forschung ist schon deshalb als eine der Lehre gleichwertige und gleichgewichtige Aufgabe von Universitäten zu sehen, weil die Forschung die wesentliche Triebkraft der inhaltlichen Erneuerung der Lehre ist. Gerade in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch in anderen Disziplinen werden die "Halbwertszeiten" des Wissens immer kürzer. Eine hinreichende berufliche Qualifikation kann deshalb für die Absolventen nur dann gesichert werden, wenn die Lehre den sich aus der Forschung ergebenden, neuesten Stand der Erkenntnisse vermittelt.

    Die Komponente Forschung und die Komponente Lehre sollen deshalb gleichgewichtig in die Ausstattungsplanung mit je 25 % des insgesamt zu verteilenden Stellenvolumens in die Ausstattungsplanung eingehen.




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