[TU BERLIN]


TU Berlin - Hochschulstrukturplan März 1998



         

2.1 Fakultät I

Geisteswissenschaften:

Der Hochschulentwicklungsplan III sah für die Geisteswissenschaften insgesamt noch 37 Professuren vor. Im Rahmen der Auflösung der Pauschalen Minderausgabe 1995 wurde davon eine Stelle gestrichen. Das Haushaltsstrukturgesetz des Landes Berlin 1996 verfügte die Einstellung der Teilstudiengänge "Anglistik", "Romanistische Literaturwissenschaft" (mit mindestens zwei romanischen Literaturen), "Romanistische Linguistik" mit dem Abschlußziel Magister sowie den Teilstudiengang "Englisch" für das Lehramt. Damit entfielen sechs Professuren, so daß der Fachbereich noch über 30 Hochschullehrerstellen verfügte.

Im Rahmen seiner Vorschläge zur Verteilung von 340 Hochschullehrerstellen schlug der Präsident 1996 eine Ausstattung mit noch

28 Professuren

vor. Bei dieser Zahl blieb es auch in dem vom Akademischen Senat bestätigten Vorschlag des Präsidenten zur Verteilung von 309 Hochschullehrerstellen.

Mit seinem jüngst verabschiedeten Entwicklungsplan machte der zuständige Fachbereich einen Mindestbedarf von

30 Professuren

geltend. Er hat diesen Bedarf bei der Anhörung in der Präsidialkommission unter Bezugnahme auf das gegenwärtige wie künftige Studienangebot sowie auf seine grundsätzlichen Überlegungen zur Struktur des Fachbereiches als geisteswissenschaftliche Fakultät an einer Technischen Universität wie folgt begründet:

Das Lehrangebot bezieht sich zum einen auf die Ausbildung von Lehrern in den Fächern "Deutsch", "Geschichte", "Französisch" und "Philosophie". Das Angebot der Magisterstudiengänge soll sich künftig auf die folgenden Fächer (Teilstudiengänge) beziehen: "Allgemeine Linguistik", "Deutsche Philologie", "Geschichte", "Geschichte der exakten Wissenschaften und der Technik", "Kommunikationswissenschaft", "Kunstwissenschaft", "Musikwissenschaft", "Philosophie", "Romanistik/Französisch" und "Vergleichende Literaturwissenschaft". Das impliziert die beabsichtigte Integration der Fächer Alte, Mittelalterliche und Neuere Geschichte in dem gemeinsamen Teilstudiengang "Geschichte" und die Integration der Fächer Neuere Deutsche Philologie, Ältere Deutsche Philologie in den Teilstudiengang "Deutsche Philologie". Hinzu kommen der Diplom-(Haupt-)Studiengang "Medienberater" und die Aufbaustudiengänge "Semiotik" und "Denkmalpflege". In den Magisterstudiengängen soll künftig der Bachelor-Abschluß möglich sein.

Der Fachbereich hat geltend gemacht, daß er bei einer Ausstattung mit nur 28 Professuren von diesem geplanten Angebot den Diplomstudiengang "Medienberater" mangels einer entsprechenden Professur und den Magister-Teilstudiengang "Musikwissenschaft" mangels einer notwendigen zweiten Professur nicht, den Magisterteilstudiengang "Wissenschafts- und Technikgeschichte" mangels einer zweiten Professur "nicht auf Dauer" anbieten könne; der Aufbaustudiengang "Denkmalpflege" sei gefährdet.

Zur allgemeinen fachlichen Struktur der Fakultät hat der Fachbereich vorgetragen: Geisteswissenschaften an der Technischen Universität Berlin ergäben nur dann einen Sinn, wenn sie über eine Substanz von Kernfächern verfügen, die den Fachbereich / die Fakultät attraktiv macht für die Berufung herausragender Wissenschaftler und die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dazu müßten diese Kernfächer auch grundständige Studiengänge anbieten können, die im Wettbewerb mit den entsprechenden Angeboten anderer Universitäten im internationalen Vergleichsmaßstab bestehen können. Kernfächer der Geisteswissenschaften in diesem Sinne seien an der Technischen Universität Berlin die Deutsche Philologie und die Geschichte. Der Fachbereich hat auf die besondere Rolle verwiesen, die den drei "Zentren" (Frankreichforschung, Antisemitismus-Forschung, Frauen-Forschung) im Rahmen seiner Konzeption zukommt.

Die Präsidialkommission ist von der konstitutiven Bedeutung ausgegangen, die einer leistungsstarken Geisteswissenschaft für den Anspruch der Technischen Universität Berlin zukommt. Sie teilt die Auffassung des Fachbereichs, daß die Geisteswissenschaften hierfür über attraktive grundständige Studiengänge im Bereich ihrer Kernfächer verfügen müssen. Sie erwartet von einer geisteswissenschaftlichen Fakultät zugleich, daß sie Studienangebote entwickelt, die in besonderer Weise auf Probleme in Zusammenhang mit der Entwicklung der Technik bezogen sind. Sie begrüßt daher ausdrücklich das Engagement des Fachbereiches auf dem Felde der Denkmalpflege ebenso wie seine Absicht, den Diplom-Studiengang "Medienberater" fortzuführen. Sie mißt insbesondere den Gebieten "Geschichte der exakten Wissenschaften und der Technik" große Bedeutung zu. Sie sieht in der Geschichte unter Einschluß der Wissenschafts- und Technikgeschichte einen Schwerpunkt des Fachbereiches, in dem durch gezielte Bündelung der Potentiale, insbesondere auch unter Einbeziehung der geschichtswissenschaftlichen Stellen der Zentren Synergieeffekte möglich sind.

Die Präsidialkommission sah sich dennoch nicht in der Lage, dem Wunsch des Fachbereichs zu entsprechen und eine Erhöhung der Zahl der Hochschullehrerstellen auf 30 zu empfehlen. Maßgebend waren die folgenden Überlegungen:

Die Situation, insbesondere der Zwang, die Zahl der zu verteilenden Hochschullehrerstellen nicht überschreiten zu können, verlangt von der Technischen Universität Berlin, in all ihren Bereichen in maximaler Weise mögliche Synergieeffekte auszuschöpfen, um Hochschullehrerstellen einsparen zu können. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Begründung des für unabdingbar gehaltenen Stellenrahmens. Die Präsidialkommission war der Ansicht, daß ein Stellenrahmen von 28 Hochschullehrerstellen der Fakultät die Möglichkeit gibt, über die Nutzung von Synergieeffekten die von ihr dargelegten Ansätze in Forschung und Lehre weiter zu verfolgen. Dies gilt auch für die Weiterführung des Studienganges "Medienberater", den Aufbaustudiengang "Denkmalpflege" sowie den im Aufbau befindlichen Forschungsschwerpunkt "Schinkelzentrum für Architekturforschung und Denkmalpflege" in Zusammenarbeit mit den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Stadt- und Regionalplanung.

Die Präsidialkommission mußte darüber hinaus der Tatsache Rechnung tragen, daß die vom Fachbereich gewünschte Studienratsausbildung nicht unerhebliche Kosten für die dazu erforderlichen erziehungswissenschaftlichen Serviceleistungen verursachen wird.

Die Präsidialkommission hat daher vorgeschlagen, für den Bereich Geisteswissenschaften und die Fakultät I

28 Professuren

vorzusehen.

Die Präsidialkommission verweist ausdrücklich auf die Möglichkeit des Fachbereiches, diesen Hochschullehrer-Stellenrahmen gegebenenfalls um zwei Hochschullehrerstellen zu Lasten von vier Stellen für Akademische Mitarbeiter kapazitätsneutral zu erweitern.

Der Akademische Senat der Technischen Universität hat sich den Überlegungen der Präsidialkommission angeschlossen und die entsprechende Stellenzuweisung beschlossen.

Über eine Zuordnung von Fachgebieten der Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften zur Fakultät I wird der Akademische Senat im Wintersemester 1998/99 entscheiden.




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