[TU BERLIN]


TU Berlin - Hochschulstrukturplan März 1998



         

2.6 Fakultät VI


Der Hochschulentwicklungsplan III sah für die Bereiche der künftigen Fakultät VI die folgende Ausstattung mit Hochschullehrerstellen vor:

Bauingenieurwesen:13 Professuren
Vermessungswesen:4 Professuren
Angewandte Geowissenschaften:    12 Professuren

29 Professuren.

Im Rahmen der Auflösung der Pauschalen Minderausgabe 1995 wurde dieser Stellenrahmen nicht reduziert.

Der Vorschlag des Präsidenten zur Verteilung von 340 Hochschullehrerstellen 1996 sah folgende Stellenverteilung vor:

Bauingenieurwesen:14 Professuren
Vermessungswesen:4 Professuren
Angewandte Geowissenschaften:    12 Professuren

30 Professuren.

Der vom Akademischen Senat übernommene Vorschlag des Präsidenten zur Verteilung von 309 Hochschullehrerstellen sieht für das Bauingenieurwesen wieder 13 Professuren vor und stimmt auch im übrigen mit dem Ausstattungsplan gemäß Hochschulentwicklungsplan III überein.

Der betroffene Fachbereich hat im Rahmen seiner Anhörung durch die Präsidialkommission diesen Ausstattungsvorschlag für die Bereiche Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften akzeptiert. Der Bereich Vermessungswesen hat den Wunsch nach einer fünften Hochschullehrerstelle vorgetragen. Die Präsidialkommission hat sich mit den einzelnen Bereichen wie folgt auseinandergesetzt.

Bauingenieurwesen

Der Fachbereich hat im Dezember 1995 einen Entwicklungsplan vorgelegt. Er entspricht dem vom Präsidenten der Universität und dem Senator für Wissenschaft und Forschung 1994 beim Wissenschaftsrat vorgelegten Konzept für die künftige Entwicklung des Bauingenieurwesens in Forschung und Lehre, das die Grundlage für den räumlichen Ausbau dieses Bereiches auf der Grundlage des Hochschulbauförderungsgesetzes bildete.

In diesem Entwicklungsplan sind die Aktivitäten des Bauingenieurwesens in Forschung und Lehre drei Schwerpunktbereichen ("Fachzentren") zugeordnet:

  • Nichtlineare Phänomene im Bauwesen,
  • Planung und Ausführung des Stadtumbaus,
  • Neue Bauformen und Bauprozesse.

Er hat 19 Fachgebiete als "sinnvoll" ausgewiesen, von denen vier derzeit im Fachbereich Verkehrswesen und Angewandte Mechanik sowie im Bereich der Umwelttechnik verortet sind. Die Zusammenführung aller traditionell zum Bauingenieurwesen gehörender Fachgebiete in einem Fachbereich hat er als ein zentrales Ziel beschrieben.

Von den Vertretern der neuen Fakultät, insbesondere vom Bauingenieurwesen, sind bereits im Zusammenhang mit dem AS-Beschluß zur Fakultätsstruktur vom 21.1.1998 Einwände gegen die vorgesehene Fakultätsstruktur und speziell gegen die Zusammensetzung der Fakultät VI vorgetragen worden. Es wurde für eine Zuordnung des Bauingenieurwesens zur Fakultät V plädiert. Das Kuratorium hat diese Einwände zur Kenntnis genommen und den Akademischen Senat zur Überprüfung seiner Beschlußfassung aufgefordert. Die gleichen Bedenken und Forderungen wurden von dem betreffenden Fachbereich auch in der Anhörung vor der Präsidialkommission wiederholt.

Die Präsidialkommission hat diese Argumente ernsthaft geprüft und mit den Vertretern des Bauingenieurwesens weitere Gespräche geführt. Es ist dabei deutlich geworden, daß hier noch ein Diskussions- und Handlungsbedarf besteht, der über die gegenwärtige Frage der Ausstattung von Studiengängen hinausführt. Es sind ferner Gespräche mit anderen Fachbereichen zu einer möglichen geänderten Fakultätsstruktur geführt worden, die jedoch noch nicht zu einem abschließenden Bild geführt haben.

Die Vertreter des Bauingenieurwesens argumentieren im wesentlichen, daß teils wegen der thematischen Verbindung zum Verkehrswesen, teils wegen neuer, angestrebter Verbindungen und Innovationen gemeinsam mit dem Maschinenwesen die Zuordnung des Bauingenieurwesens zur Fakultät V geboten sei. Ferner sei für das Bauingenieurwesen die notwendige Umorientierung in Forschung und Lehre in der Fakultät VI - ebenso wenig wie im gegenwärtigen Fachbereich - realisierbar.

Daher sei eine Neuordnung der Fakultätsstruktur gegenüber dem AS-Beschluß vom 21.1.1998 geboten. Als Hauptvariante wurde vorgeschlagen, die Fakultät VI aufzulösen, das Bauingenieurwesen der Fakultät V zuzuordnen und das Vermessungswesen sowie die Angewandten Geowissenschaften mit Teilen der Fakultät VII zu verbinden (Ökologie, Landschaftsplanung und -architektur), während eine weitere Fakultät die Architektur, Stadt- und Regionalplanung und Soziologie umfassen würde. Diese Variante ist auch mit mehreren Beteiligten exploriert worden, zu offiziellen Beschlußfassungen ist es hierin allerdings nur in einem Fall gekommen, indem sich der Fachbereichsrat des Fachbereich "Verkehrswesen und Angewandte Mechanik" zur Idee einer großen Fakultät V gemeinsam mit dem Bauingenieurwesen negativ geäußert hat. Ein entsprechender Antrag wurde am 12.3.1998 mit 3 : 9 : 0 abgelehnt.

Hierin kommt unter Umständen auch zum Ausdruck, daß im Verkehrswesen des Fachbereichs 10 nach der Rückverlagerung des Straßenbaus nur noch zwei von 14 Fachgebieten dem für die Bauingenieure originären Begriff des Verkehrswesens mit Hauptakzenten der Planung für Straße und Schiene eng verwandt sind, das übrige Verkehrswesen dagegen aus anderen Disziplinen stammt und auch eine vom Bauwesen losgelöste, anders orientierte Entwicklung genommen hat und anstrebt. Dennoch sprechen für die Präsidialkommission gute Argumente für ein abgestimmtes Zusammenwirken aller verkehrsbezogenen Ressourcen der Technischen Universität Berlin, wozu auch einzelne Fachgebieten der Wirtschaftswissenschaften und der Logistik zu zählen sind.

Grundsätzlich betrachtet die Präsidialkommission das Anliegen des Bauingenieurwesens, in einem anderen Verbund - unabhängig vom Vermessungswesen und von den Angewandten Geowissenschaften - seine Zukunft und Neuorientierung gestalten zu können, als absolut legitim. Die Technische Universität Berlin muß hierfür die geeigneten strukturellen Voraussetzungen schaffen. Allerdings hält die Präsidialkommission die Voraussetzungen für eine neue Strukturentscheidung noch nicht für hinreichend geklärt. Es liegen bisher keine ausgereiften, diskutierten Planungen und Strukturvorschläge vor. Daher hält die Präsidialkommission den Zeitpunkt für eine Revision der Fakultätsstruktur jetzt nicht für erreicht.

Vielmehr sollen zur Vorbereitung einer solchen Entscheidung u. a. die folgenden Fragen geklärt werden:

  • Wo liegen die programmatischen Gemeinsamkeiten der beteiligten Partner in den Forschungszielen? Kann und will man gemeinsame Schwerpunkte aufbauen?
  • Welche Affinitäten existieren in der Lehre, soweit sie nicht bereits heute wahrgenommen werden?
  • Wie wirken sich die langfristigen Planungen des Bauingenieurwesens im TIB-Bereich programmatisch auf die beabsichtigten Kooperationen aus?

Anschließend an diese Klärungen sollen die strukturellen Fragen erneut vom Akademischen Senat behandelt werden.

Für die vorliegende Aufgabe der Ausstattungsplanung trifft die Präsidialkommission die Annahme, daß die Rückwirkung späterer Strukturkorrekturen auf die aktuelle Sollplanung nur gering sein werden. Dies gilt in jedem Fall für die Studiengänge, die als Partner des Bauingenieurwesens fungieren, da sich dort die Ausstattung bereits aus eigenen Zielen ergibt und diese Studiengänge auch für eine ggf. erweiterte Kooperation mit dem Bauingenieurwesen hinreichend ausgestattet erscheinen.

Für das Bauingenieurwesen selbst lag der Kommission trotz mehrfacher Bemühungen kein aktueller, als gültig erklärter Entwicklungsplan vor. Der Fachbereich hat jedoch auf Rückfrage während der Anhörung erklärt, daß der Rahmen von 13 Professuren für das Bauingenieurwesen auch in jeder neuen Struktur ausreichend ist. Die Präsidialkommission empfiehlt, die Fakultät aufzufordern, einen aktuellen Entwicklungsplan für das Bauingenieurwesen alsbald nachzureichen.

Die Präsidialkommission hat vor diesem Hintergrund für das Bauingenieurwesen eine Ausstattung mit 13 Professuren empfohlen. Außerdem erkennt die Präsidialkommission am Beispiel des Bauingenieurwesens auch exemplarisch die Notwendigkeit, daß zusätzlich zu einer Fakultätsstruktur Kooperationsstrukturen auf einer zweiten Ebene der Zusammenarbeit, vor allem für Zwecke der Forschung und Neuorientierung in interfakultativen Feldern, eingerichtet werden müssen, vor allem durch Ausprägung entsprechender Forschungsschwerpunkte, die auch in den Ausstattungsplänen der Fakultäten berücksichtigt werden müssen. Für das Bauingenieurwesen besteht die Notwendigkeit solcher Kooperationen nicht nur zum Verkehrswesen, sondern auch zu den Materialwissenschaften, zur Umwelttechnik und zur Informationstechnik.

Vermessungswesen

Grundlage für die Zukunftsplanung auch des Bereichs Vermessungswesen ist weiterhin der Entwicklungsplan von Dezember 1995, mit dem der Bereich - zeitgleich mit den Bereichen Bauingenieurwesen und Angewandte Geowissenschaften - sein Selbstverständnis innerhalb des neuen gemeinsamen Fachbereiches dargestellt hat. Er hat in diesem Plan seine Arbeitsfelder in Forschung und Lehre nach drei Schwerpunkten gegliedert:

  • Grundlagen der Geodäsie,
  • Ingenieuranwendungen,
  • Bildaufnahme und Auswertung.

Während die "Grundlagen der Geodäsie" mit zwei Professuren ausgestattet sind, steht für die beiden anderen Bereiche je eine Hochschullehrerstelle zur Verfügung. Der Wunsch nach einer fünften Hochschullehrerstelle bezieht sich auf eine Hochschullehrerstelle für "Geoinformationstechnik und Kartographie" im Bereich "Bildaufnahme und Auswertung".

Das Forschungsspektrum dieser drei Bereiche umreißt der Entwicklungsplan wie folgt:

  • Grundlagen der Geodäsie (GPS - Phasenmeßverfahren, Analysemethoden für Satellitenmeßdaten, Weiterentwicklung fundamentaler geodätischer Methoden, Inkorrekt gestellte Probleme in der Geodäsie),
  • Ingenieuranwendungen (Modellierung geometrischer und physikalischer Informationen, Anwendungen der Ausgleichsrechnung und Optimierung, Geoinformations- systeme mit großmaßtäblichem Anwendungsbezug),
  • Bildaufnahme und Auswertung (Mikrophotogrammetrie, Nahbereichsphotogrammetrie, Fernerkundung, Planetenerkundung, Anwendungen im Bereich Denkmalpflege).

Der angebotene Diplomstudiengang Vermessungswesen ist NC-Studiengang.

Die Präsidialkommission hat sich davon leiten lassen, daß der so umschriebene Bereich Vermessungs- und Geoinformationswesen erhebliche Bedeutung für verschiedene Forschungsfelder der Universität - von der Denkmalpflege bis zur Umweltforschung und den Planungswissenschaften - hat.

Die Präsidialkommission hält eine Ausstattung dieses Bereiches mit vier Hochschullehrerstellen für erforderlich, um den Studiengang auf angemessenem Niveau anbieten und in der Forschung die oben dargestellte Breite seines Profil realisieren zu können.

Angewandte Geowissenschaften

Der Bereich der Angewandten Geowissenschaften wurde an der Technischen Universität Berlin im Zuge der Entscheidungen des Hochschulentwicklungsplanes III neu aufgebaut. In den geowissenschaftlichen Disziplinen wurden 40 % der Wissenschaftler-Stellen gekürzt und die bisherigen Studiengänge "Bergbau", "Geologie", "Geophysik", "Markscheidewesen", "Mineralogie" eingestellt. Statt dessen wurde mit Wirkung ab WS 1994/95 der neue integrierte Studiengang "Geoingenieurwissenschaften und angewandte Geowissenschaften" eingerichtet. Der Fachbereich hat sein Entwicklungskonzept auf dieser neuen Grundlage - mit noch 12 ihm nach Hochschulentwicklungsplan III zur Verfügung stehenden Hochschullehrerstellen - im Entwicklungsplan vom Dezember 1995 ausführlich dargelegt.

Das Forschungskonzept orientiert sich an den Aufgaben, vor die sich die Geowissenschaften im Zusammenhang mit der Forderung nach dauerhafter und umweltgerechter Sicherstellung der Versorgung mit Geo-Ressourcen und bei der Diagnose, Verhinderung und Behebung anthropogener Umweltveränderungen gestellt sehen und nennt fünf Schwerpunktbereiche:

  • Raum- und zeitbezogene geowissenschaftliche Grundlagenforschung - Geodynamik-Forschung
  • Anwendungsorientierte Entwicklung geowissenschaftlicher Methoden,
  • Geo-Materialforschung,
  • Geo-Umweltforschung,
  • Ressourcen-orientierte multidisziplinäre Geosystemanalyse.

Im letztgenannten Themenfeld existiert seit 1995 auch der fachbereichsübergreifende Forschungsschwerpunkt "Internationale Geosystemanalyse", an dem auch die Bereiche Ökologie, Landschaftsplanung sowie Stadt- und Regionalplanung beteiligt sind. Er stellt nach Abschluß des erfolgreichen Sonderforschungsbereiches "Geowissenschaftliche Probleme in ariden und semiariden Gebieten" eine institutionelle Möglichkeit dar, um die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft dringend empfohlene Fortführung und Nutzung des wissenschaftlichen Know-how zu realisieren. Darüber hinaus ist der Bereich Angewandte Geowissenschaften der Technischen Universität Berlin seit 1995 initiativ und federführend in dem vom Land Berlin geförderten interdisziplinären Forschungsverbund "Angewandte Geowissenschaften" (Sprecherhochschule: Technische Universität Berlin) zur gezielten Bündelung geowissenschaftlicher Potentiale in Berlin und Brandenburg beteiligt.

Die Präsidialkommission hat bei ihrer Prüfung auch die Feststellungen und Empfehlungen der Evaluierungskommission des Landes Berlin zur Struktur der Naturwissenschaften an den Berliner Universitäten, denen sich der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zum Aufbau der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten der Humboldt-Universität Berlin am Standort Adlershof angeschlossen hat, herangezogen. Die Evaluierungskommission stellt neben strukturverbessernden Anregungen fest, daß nach ihrer Auffassung weitere Kürzungen dazu führen, "daß die kritische Masse für die Durchführung des Studiengangs "Geoingenieurwesen" unterschritten wird".

Die Präsidialkommission hat sich von dem Grundgedanken leiten lassen, daß es - auch vor dem Hintergrund der Empfehlungen des Wissenschaftsrates - nicht sinnvoll sein kann, einen Neuanfang, der das Ergebnis einer einschneidenden Reform war, wieder in Frage zu stellen, bevor dieser Bereich die Möglichkeit hatte, sich zu entfalten und zu bewähren. Über eine denkbare Konzentration der Vertiefungsrichtungen sollte erst nach einer angemessenen Laufzeit des neuen Studiengangs nachgedacht werden. Dabei ist dann auch zu prüfen, ob langfristig 12 Hochschullehrerstellen zwingend erforderlich sind.

Die Präsidialkommission empfiehlt dem Bereich Geowissenschaften dessen ungeachtet, über Einzelprojekte hinaus ein zukunftsweisendes Forschungskonzept zu entwickeln und dabei die Empfehlungen und konkreten Anregungen des Wissenschaftsrates aufzugreifen.

Die Präsidialkommission hat danach eine Ausstattung der Fakultät VI mit Hochschullehrerstellen wie folgt empfohlen:

Bauingenieurwesen:13 Professuren
Vermessungswesen:4 Professuren
Angewandte Geowissenschaften:    12 Professuren

insgesamt:29 Professuren.

Der Akademische Senat der Technischen Universität Berlin hat sich den Überlegungen der Präsidialkommission mit der folgenden Maßgabe angeschlossen:

Eine Reduktion der Stellenzahl für die Angewandten Geowissenschaften um eine Professur aus dem Bereich der naturwissenschaftlichen Grundlagenwissenschaften erscheint vertretbar im Hinblick auf die angestrebte ingenieurwissenschaftliche Profilbildung des Studiengangs. Mit der entsprechenden Anwendungsorientierung kommt die Universität der Notwendigkeit entgegen, den Studiengang gegenüber verwandten Angeboten im Berliner Raum der beiden anderen Universitäten zu akzentuieren.

Der Akademische Senat hat danach die folgende Ausstattung der Fakultät VI wie folgt beschlossen:

Bauingenieurwesen:13 Professuren
Vermessungswesen:4 Professuren
Angewandte Geowissenschaften:    11 Professuren

insgesamt:28 Professuren.




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