[TU Berlin] Medieninformation Nr. 210 vom 7. September 2005 - Bearbeiter/-in: pp


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Historische Schätze endlich gesichert

TU Berlin digitalisiert 80 000 Zeichnungen und macht ihre einzigartige Plansammlung für die Öffentlichkeit zugänglich
Sonderführung für Journalisten am 21. September 2005

Welche genialen Pläne die berühmten Architekten August Stüler, Alfred Messel oder Hans Poelzig hatten, die niemals verwirklicht wurden, welche Ideen in den letzten Jahrzehnten bei den Schinkelwettbewerben eingereicht wurden oder wie die Bauwerke aussahen, die durch Kriege und andere Katastrophen zerstört wurden - die TU Berlin hütet über 80 000 Zeichnungen, Skizzenbücher und Fotografien. Es sind wertvolle und einzigartige Schätze, die bisher nur ausgesuchten Experten zugänglich waren. Jetzt will die TU Berlin diesen Schatz für Studium und Lehre sowie für die Öffentlichkeit heben. Am 22. September 2005 werden die neuen Räume der Plansammlung mit einer Ausstellung eingeweiht. Am Tag vorher, am 21. September 2005, gibt es eine Sonderführung für interessierte Journalistinnen und Journalisten.

Als Bauwerk zerstört, als Zeichnung lebendig: Querschnitt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von Franz-Schwechten (1893).
Foto: TU Berlin/Plansammlung
Das Foto steht in druckbarer Auflösung (360 dpi) zum Download zur Verfügung
 

Bislang wurden die Zeichnungen und Pläne verwahrt und waren mangels geeigneter Räumlichkeiten und Mitarbeiter kaum für Studierende und Öffentlichkeit zu benutzen. Zu sehen war lediglich ein kleiner Teil, der für gelegentliche Ausstellungen nutzbar gemacht werden konnte. Jetzt bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft mehr als 600 000 Euro für die Digitalisierung, eine für ein derartiges Projekt außergewöhnlich hohe Summe. Die unübersehbar große Menge an Zeichnungsblättern und Plänen soll in den nächsten zwei Jahren fotografiert, gescannt, digitalisiert und in einer Internetdatenbank dokumentiert werden. Schon jetzt wurden im Untergeschoss des denkmalgeschützten, von Hans Scharoun entworfenen Architekturgebäudes am Ernst-Reuter-Platz große Flächen umgebaut, die ausreichend Platz für das Archiv, für einen Lesesaal, für Arbeitsräume und für Ausstellungen bieten.

"Unsere ‚rote Wand' bietet rund 50 laufende Meter Ausstellungsfläche", erzählt Dr. Hans-Dieter Nägelke, Leiter der Plansammlung und Initiator des gesamten Projektes, glücklich über die neuen Dimensionen, die sich damit seiner Arbeit eröffnen. Die Feuerprobe für die "rote Wand" wird die

Einweihung der neuen Räumlichkeiten und Ausstellung
am Donnerstag, 22. September 2005, 16 Uhr
TU Berlin, Architekturgebäude, Untergeschoss,
Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin

Sonderführung für Journalisten bereits am
Mittwoch, 21. September 2005, 14 Uhr
(um Anmeldung wird gebeten, siehe beigefügtes Fax)

sein. Zu diesem Ereignis werden Hans-Dieter Nägelke und seine Mitarbeiter besondere Prunkstücke aus den klimatisierten Schubladen holen und kurzfristig die "rote Wand" damit schmücken. Eine Auswahl von Projekten und Zeichnungen, die die Sammlung seit ihrer Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg erwerben konnte, sollen einen Überblick über 250 Jahre Bau- und Entwurfsgeschichte geben. Künftig sind vier so genannte Studioausstellungen im Jahr geplant, historische wie solche zu aktuellen Projekten.

"Die Klimatisierung ist besonders wichtig", erklärt Projektleiter Nägelke, "die Luftfeuchtigkeit wird im Archiv konstant auf 50 Prozent gehalten, damit das teilweise sehr empfindliche Papier keinen Schaden nimmt." Mit den neuen Räumen kann die TU Berlin sogar den Umfang ihrer Sammlungen noch erweitern. Zu der Lehrsammlung, die Julius Raschdorff 1885 begonnen hatte, den Vorkriegssammlungen, den Beständen der 50er Jahre sowie den aktuellen Nachlasssammlungen, soll ein Sammelgebiet wieder ein besonderer Schwerpunkt werden: die Nachlässe von TU-Architekturprofessoren, von denen einige weltweit anerkannte Architekten sind. Vier studentische und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter werden zukünftig für die Erfassung und Digitalisierung sorgen. Ein Hochleistungsscanner, der Dokumente von bis zu 1,60 Meter Seitenlänge erfassen kann, wird samt einem Spezialisten ebenfalls für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung stehen. Vier Dokumentare finden hier ein sinnvolles Einsatzgebiet und werden dafür sorgen, dass in dieser Zeit eine umfangreiche und handhabbare Datenbank entsteht. Dem Leiter der Plansammlung schwebt außerdem noch ein weiterer wissenschaftlicher Leckerbissen vor: Er möchte mit Zugriff auf seine neuen Medien Kolloquien für Fachwissenschaftler veranstalten, um im Verbund mit anderen Experten aktuelle Probleme zu lösen. Denn ganz ohne Schwierigkeiten ist das architektonische Kulturerbe nicht zu erhalten. Wenn man das Problem von knitterndem oder sich zersetzendem Papier gelöst hat, tauchen neue Hindernisse auf: wie wird man etwa zukünftig die ausschließlich virtuell vorhandenen, in CAD-Animationen gegossenen Ideen heutiger architektonischer Visionäre sichern?
 


Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Hans-Dieter Nägelke, Technische Universität Berlin, Universitätsbibliothek der TU Berlin / Plansammlung, Tel.: 314- 23116, E-Mail: hans-dieter.naegelke@tu-berlin.de 

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