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Nr. 11, November 2003
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Welchen Stellenwert hat eine Technische Universität in der Hauptstadt?

Prof. Dr. Bernd Hillemeier, Institut für Bauingenieurwesen, Vorstandsmitglied Acatech
Jedes Land, jeder Bürger möchte seine Hauptstadt als Brennpunkt von allem Wichtigen und Attraktiven erleben und als Zentrum von Wirtschaftskraft und Zukunftsgestaltung. Eine lebendige Technische Universität gehört in diesen Brennpunkt. Die Technik ist unaufhaltbar, wir brauchen ihre Ideen zum Überleben, auch wenn Uneingeweihte und Miesmacher dem widersprechen. Die Technischen Wissenschaften auf ein Nebengleis zu schieben bedeutet trotz aller Telekommunikation, sie wegzuschieben von den dringend zu lösenden Problemen. Die Brennpunktferne der Wissenschaft und Forschung wird der Hauptstadt schlecht bekommen und wird sie viel Geld kosten.

Dr. Axel Schweitzer, Mitglied des Vorstandes der ALBA AG, Verwaltungsrat der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin
Probleme entstehen überall im Land, aber in der Hauptstadt müssen sie gelöst werden. Leider verheddern sich dort, wo entschieden wird, Ängste und Feigheit, Interessen und Egoismen mit dem Verlangen nach Besitzstandswahrung und vernebeln den Blick. Ideologien und Technikfeindlichkeit errichten schier unüberwindliche Grenzen. Da ist es wichtig, den Kopf frei zu machen, den Blick über den Tellerrand zu richten. "Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenze", hat Professor Milberg, der Vorstandsvorsitzende von Acatech, formuliert. In der Tat, das ist die eigentliche Bestimmung der Wissenschaft, erst recht der unbestechlichen Naturwissenschaften, und insbesondere die einer Technischen Universität: der Gesellschaft und der Politik zu helfen, den Blick zu heben. Wo wäre also eine Technische Universität notwendiger und bedeutsamer als in der Hauptstadt, dort, wo das Gestrüpp subjektiver Interessen gelichtet werden muss, wo es mehr als irgendwo sonst objektiver Maßstäbe bedarf?

Sabine Knapp-Lohmann, Siemens AG, Berliner Büro der Leitung
Technische Bildung und technische Forschung sind die Basis für Innovationen und damit für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit einer Region und eines Landes. Berlin kann kurzfristig nicht mehr an seine Rolle als führende Industriestadt in den vergangenen zwei Jahrhunderten anknüpfen. Der Weg zu neuer Wirtschaftskraft Berlins führt über das Wissen, die Kreativität, und den Unternehmermut der jungen Menschen, die hier leben, studieren und arbeiten oder Arbeitsplätze schaffen wollen.

Prof. Dipl.-Ing. Rainer Hascher, Fachgebiet Konstruktives Entwerfen und Klimagerechtes Bauen, Mitglied Acatech
Man weiß, Deutschland ist ein Land, das im globalen Wettbewerb seine wirtschaftliche Position nur halten können wird, wenn es die Technikwissenschaften nicht nur pflegt, sondern gezielt und systematisch ausbaut.
Selbst innerhalb der eigenen geografischen Grenzen wird diese Problematik evident:
Wenn zum Beispiel in Baden-Württemberg mit 122 Patenten pro 100000 Einwohner die höchste Patentaktivität (Bundesdurchschnitt 63) herrscht, mag dies zum einen auf die historische Entwicklung dieser ursprünglich sehr armen Region zurückzuführen sein, zum anderen liegt der Erfolg aber sicher auch darin begründet, dass hier - wie nirgendwo in Deutschland - Zukunftstechnologien an den Universitäten gefördert werden. Unabhängig davon, dass für die Hauptstadt Berlin nicht nur ein kaum zu unterschätzender Imageschaden entstehen wird, wenn gerade die TU Berlin dramatisch verkleinert wird, erscheint es mir noch viel problematischer, dass man hier anscheinend weiterhin gelassen darauf baut, die Zukunft werde schon andernorts in Deutschland geregelt. Die TU Berlin ist der wichtigste Technikwissenschaftsstandort für den gesamten Nordosten Deutschlands und damit ein nicht zu unterschätzender Motor für die wirtschaftliche Entwicklung dieser ganzen Region.

Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg, TU-Alumnus und Schüler Günter Spurs, war BMW-Chef, ist heute im Aufsichtsrat und hat die Präsidentschaft von Acatech übernommen
Technikwissenschaften als Treiber für Innovation und volkswirtschaftlich notwendiges nachhaltiges Wachstum müssen in Deutschland mehr Anerkennung finden. Ohne Wachstum gibt es keine Zukunft. Doch unternehmerisches Handeln und wissenschaftliche Innovation werden hierzulande misstrauisch beäugt. So wird zwar die Stimme der Fachleute von der Politik nachgefragt und beauftragt, dann aber wenig beachtet. Doch nur Wissen schafft Vertrauen. Die Vermittlung des Wissens über die Technologien der Zukunft wird deshalb die ureigenste Aufgabe der Technikwissenschaftler werden. Es muss uns auch gelingen, den Beruf des Technikwissenschaftlers mit neuer Reputation zu versehen, sodass es wieder mehr begabten jungen Menschen Spaß macht, auf diesen Gebieten zu arbeiten, zu forschen und zu lehren.

 

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