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November 2005
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Nur zum Arzt, wenn es wehtut

TU-Studie erwies Rückläufigkeit der unnötigen Arztbesuche durch Praxisgebühr

Inzwischen ein gewohnter Anblick: Täglich gehen Zehn-Euro-Scheine über die Tresen der Arztpraxen
Foto: TU-Pressestelle

Es ist relativ still geworden um die Zehn-Euro-Praxisgebühr, die seit Januar 2004 die meisten Kassenversicherten zahlen müssen, wenn sie innerhalb eines Vierteljahres erstmals zum Arzt gehen. Das könnte nicht nur am Gewöhnungseffekt liegen, sondern auch daran, dass diese zusätzliche Abgabe im Sinne des Erfinders wirkt, vermuten Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Jonas Schreyögg.

In einer gemeinsamen Studie mit Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin finden die Wissenschaftler jedenfalls nicht nur einen Rückgang der Arztbesuche, sondern auch wichtige Hinweise, dass vor allem auf unnötige Arztbesuche oder mehrfache Untersuchungen des gleichen Leidens verzichtet wurde. Genau auf eine solche Verhaltensänderung hatte der Gesetzgeber gezielt, um der gesetzlichen Krankenversicherung Geld zu sparen, mit dem wichtige Behandlungen finanziert werden können.

Die Forscher schickten aber nicht etwa eigene Interviewer los, sondern nutzten das so genannte sozio-ökonomische Panel (SOEP) des DIW. Dort befragen die Forscher seit 1984 jedes Jahr die gleichen Personen nach sehr unterschiedlichen Dingen. Unter anderem erkundigen sich die Interviewer nach dem Einkommen, nach dem Gesundheitszustand und fragen auch nach der Zahl der Arztbesuche in den letzten drei Monaten.

Das Ergebnis bestätigt auch die Abnahme der Arztbesuche: Während 1995 noch statistische 3,2 Arztbesuche im letzten Vierteljahr zu Buche schlugen, waren es 2004 mit 2,5 ein gutes Fünftel weniger Praxisgänge im Quartal. Mehr als ein Drittel dieser Abnahme fiel genau auf den Übergang vom letzten Jahr ohne Praxisgebühr 2003 auf das erste Jahr mit dem Zehn-Euro-Obolus 2004. Obendrein ist dieser Effekt nachhaltig, zeigen erste Ergebnisse der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin: Obwohl die Zahl der Arztbesuche im ersten Vierteljahr 2005 verglichen mit dem ersten Quartal 2004 um 1,5 Prozent zunahm, war sie insgesamt immer noch zehn Prozent niedriger als in den ersten drei Monaten 2003. Einige Patienten mögen also Ende 2003 Arztbesuche "vorgezogen" haben, insgesamt aber zeigt die Praxisgebühr die gewünschte Wirkung einer deutlichen Abnahme der Arztbesuche und damit eine Verringerung der Gesundheitskosten. Weitere Befragungen ergaben, dass es bei medizinisch notwendigen Besuchen keinen Rückgang gab.

Roland Knauer

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