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November 2005
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Zwingendste Beweise für die "Kalte Fusion"

TU-Wissenschaftler fanden Belege für das Funktionieren der Energiequelle der Zukunft

Lars Martin aus der Arbeitsgruppe Kernphysik beim Experimentaufbau am Beschleuniger
Foto: privat

Seit mehr als 50 Jahren suchen Wissenschaftler weltweit fieberhaft nach einer Möglichkeit, Atomkerne zu fusionieren und damit eine unerschöpfliche und ungefährliche Energiequelle zu erschließen. Jahrelang sah es so aus, als ob es nicht funktionieren würde. Doch jetzt fanden TU-Wissenschaftler in kernphysikalischen Beschleunigerexperimenten erste experimentelle Belege für die "Wunder" der Kalten Fusion. Die Arbeitsgruppe Kernphysik am Institut für Atomare Physik und Fachdidaktik von Prof. Dr. Peter Heide hat nun ein umfassendes Forschungsprogramm erstellt, das alle geeigneten Methoden der Kernphysik und der nuklearen Festkörperphysik umschließt.

Bis der erste Kernreaktor steht, werden jedoch noch einige Jahre vergehen. Immerhin gibt es seit Juni 2005 den Beschluss, dass ITER, der mehrere Milliarden Euro teure "Internationale Thermonukleare Experimental-Reaktor", gebaut wird, und zwar in Frankreich. Es ist eine Investition weit in die Zukunft hinein: Bis Großkraftwerke, basierend auf der Heißen Fusion, einen signifikanten Beitrag zur Energieproduktion leisten können, wird dieses Jahrhundert noch vergehen. "Im Erfolgsfall der Kalten Fusion könnten mobile Kompaktgeneratoren deutlich früher Verbreitung finden", schätzt Dr. Armin Huke. Er ist Projektleiter in der Arbeitsgruppe der TU-Physiker, die den großen Erfolg verbuchen konnte. "Doch jetzt brauchen wir Forschungsgelder", erklärt Huke, "denn um die Resultate ausreichend zu präzisieren, sind äußerst langwierige und schwierige Experimente notwendig. Für die Untersuchung der Metalle, die eine wesentliche Rolle spielen, wird eine ultrareine Umgebung gebraucht, wie es sie so nur in der Festkörperphysik gibt." Wie kam es nun dazu, dass man der Kalten Fusion wieder diese große Aufmerksamkeit schenkt, nachdem sich ein Großteil der Physikergemeinde jahrelang davon abgewandt hatte, weil sie die ersten viel versprechenden Experimente, bei denen ein Wärmeüberschuss entstand, für nicht reproduzierbar hielt? Ermutigt von Elektrolysezellenexperimenten, bei denen sie eine Reproduzierbarkeit des Wärmeüberschusses und also eine Energieproduktion zu beobachten behaupteten, stellten Kalte-Fusion-Forscher Anfang 2004 einen Antrag zur Reevaluierung der Kalten Fusion an das DoE (Department of Energy - US-Energieministerium). Im Bericht der eingesetzten Gutachterkommission wurde der Wärmeüberschuss zwar als erwiesen angesehen, die Belege für die Kernfusion aber als nicht stichhaltig abgelehnt. Das änderte sich, als die Antragsteller im Laufe des Verfahrens auch die Ergebnisse der TU-Gruppe als Belege einführten. Diese begeisterten die Gutachter mit kernphysikalischem Hintergrund derart - sie bezeichneten sie als "faszinierendste Resultate" und "zwingendste Beweise" für eine anomale Kernfusion - dass sie empfahlen, diese Experimente mit höchster Priorität zu fördern. "Damit haben wir unbeabsichtigt bereits ein hochkarätig besetztes Gutachterverfahren mit sehr positivem Ergebnis durchlaufen und sogar international einen Kompetenzvorsprung gewonnen", freut sich Armin Huke. Durch die langjährige Pionierarbeit der Gruppe eröffnet sich ein neues Forschungsgebiet, die Festkörper-Kernphysik, die eine der drängendsten Herausforderungen der Zukunft lösen soll, nämlich die Frage nach einer alternativen, umweltfreundlichen und insbesondere billigen Energiequelle. Eine Angst allerdings sitzt den TU-Forschern im Nacken: "Professor Heide ist bereits in den Ruhestand getreten. Wir bräuchten daher dringend Unterstützung in der Kernphysik, insbesondere was die Nutzung des Inventars und der Räumlichkeiten angeht, weil davon auch die Gewährung von Drittmitteln abhängig ist."

Patricia Pätzold

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