Neu berufen:

Klaus Obermayer

Neurobiologie und Informatik


Wenn man vor einem Computer sitzt, kommt man nicht unbedingt auf die Idee, daß dieses hochtechnische Gerät etwas mit einem Lebewesen, zum Beispiel mit einem Menschen gemeinsam hat. Trotzdem sind bestimmte Vorgänge in einem Rechner durchaus vergleichbar mit den Vorgängen in einem menschlichen Gehirn. Dies ist nicht verwunderlich, denn Gehirne und Computer haben letztendlich dieselbe Aufgabe: Sie sollen Information verarbeiten. In der Informatik hat sich deswegen in den letzten Jahren eine Teildisziplin entwickelt, die ihre Hauptaufgabe im Wissenstransfer von der Hirnforschung in die Informatik sieht. Diese Disziplin heißt Konnektionismus und beschäftigt sich mit der Entwicklung von neuen Algorithmen für Computer, die den "Programmen des Gehirns" nachempfunden sind.

Mit der Berufung von Prof. Dr. Klaus Obermayer ist dieses Fachgebiet seit Mitte letzten Jahres auch an der TU Berlin vertreten. Klaus Obermayer erforscht gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe Strategien der Informationsverarbeitung, die sich im Laufe der Evolution in natürlichen Systemen der Informationsverarbeitung herausgebildet haben. Hauptsächlich werden Algorithmen untersucht, die durch die Struktur des Gehirns inspiriert und unter dem Namen neuronale Netze bekannt geworden sind. Typische Anwendungsgebiete neuronaler Netze sind alle technischen Probleme, in denen biologische Systeme wie der Mensch herausragende Leistungen erbringen: Bildverarbeitung, Sprachverarbeitung, Mustererkennung oder Robotik. Anwendungen neuronaler Netze in Wirtschaft und Industrie sind vielfältig und reichen derzeit von der Automobiltechnik über mit Fuzzy-Logik gesteuerten Haushaltsgeräten und neuronalen Materialprüfungsverfahren, bis zur Vorhersage von Aktienkursen und der Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Kunden und Finanzwesen.

Der Konnektionismus verbindet Neurobiologie und Informatik, indem hier die Prinzipien natürlicher Informationsverarbeitung herausgearbeitet und untersucht werden, um sie dann, in entsprechend abgeänderter Form, der technischen Anwendung zuzuführen. Die Projekte, die im Fachgebiet von Klaus Obermayer verfolgt werden, sind somit sowohl biologie- als auch anwendungsorientiert. Biologen, Mathematiker und Informatiker arbeiten dabei häufig eng zusammen.

Da sich in seinem Fachgebiet verschiedene Fachrichtungen treffen, möchte Klaus Obermayer das interdisziplinäre Arbeiten auch seinen Studierenden beibringen. Umfassendes Wissen, geistige Beweglichkeit, die Fähigkeit, sich auf andere Denkweisen einzustellen und die Bereitschaft, sich, wenn immer nötig, in neue Arbeitsgebiete einzuarbeiten, müssen gelernt und im Rahmen geeigneter Lehrveranstaltungen geübt und gefördert werden.

Der 1961 in Ludwigsburg geborene Klaus Obermayer hat an der Universität Stuttgart Physik studiert, sich aber auch schon vor Beginn des Studiums mit Problemen der Informationsverarbeitung befaßt. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit quantenmechanischen Bauelementen, d. h. mit alternativen Methoden, Computer zu bauen. Nach Promotion an der Technischen Universität München über neuronale Netze und einem fünfjährigen Aufenthalt in den USA (Beckman Institute der Universität von Illinois, Rockefeller University und Salk Institute for Biological Studies) kehrte Klaus Obermayer 1994 nach Deutschland zurück, und arbeitete bis zu seiner Berufung an die TU Berlin in der AG Neuroinformatik der Technischen Fakultät an der Universität in Bielefeld.

Bettina Weniger


Zwei neue Projekte der Arbeitsgruppe von Klaus Obermayer finden Sie übrigens auch in der Rubrik "Neu bewilligt" dieser Ausgabe von TU intern.


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