Winzige Pyramiden

TU-Physiker erhält Akademiepreis

Eine hohe wissenschaftliche Auszeichnung bekam Dr. Marius Grundmann vom Institut für Festkörperphysik verliehen. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften zeichnete den jungen Physiker mit ihrem diesjährigen Akademiepreis, der mit 40000 DM dotiert ist, aus. Marius Grundmann teilt sich den Preis mit Dr. Richard Nötzel vom Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik in Berlin.

Marius Grundmann

Das Arbeitsgebiet von Marius Grundmann ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Er beschäftigt sich mit neuartigen Halbleiterstrukturen, die bei der Verbesserung der Eigenschaften von Lasern Verwendung finden. Als Grundlage dabei dient ihm beispielsweise Gallium-Arsenid, ein wichtiges Halbleiter-Material, auf das wenige Atomlagen Indium-Arsenid aufgetragen werden. Epitaxie nennt man dieses Verfahren zur Herstellung von dünnen Halbleiterschichten. In einer Analogie läßt sich dies wie das Zusammensetzen von Legosteinen beschreiben. Das besondere an den Schichten, mit denen Marius Grundmann arbeitet, liegt darin, daß diese Bausteine nicht ganz genau aufeinanderpassen, was zu Spannungen führt. Durch diese Verspannung entstehen winzige Pyramiden, in die die Ladungsträger fallen und die daher als Quantenpunkte bezeichnet werden. Die Quantenpunkte selbst kann man nicht sehen; Marius Grundmann gelang es jedoch erstmalig, die spektral scharfe, atom-ähnliche Lumineszenz (kaltes Leuchten) einzelner Quantenpunkte nachzuweisen. Durch detaillierte Rechnungen zur Verspannung und zu den elektronischen Zuständen erklärt der Physiker die Ordnungseffekte und Spektren.

Der 1964 in Berlin geborene Marius Grundmann begann 1983 mit dem Physik-Studium an der TU Berlin, das er 1988 abschloß. Er blieb an der TU Berlin und begann am Fachbereich Physik mit seiner Dissertation, die er 1991 beendete. Während Studium und Promotion war er Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Als Post-Doktorand hielt er sich im Anschluß an seine Promotion für ein dreiviertel Jahr bei Bell Communications Research, New Jersey, in den USA auf. Nach diesem Aufenthalt kehrte er an den Fachbereich Physik der TU Berlin zurück, diesmal als Habilitations-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1995 habilitierte er sich und erhielt die Lehrerlaubnis für das Fach Experimentalphysik am Fachbereich Physik der TU Berlin. Bereits 1992 wurde die wissenschaftliche Arbeit von Marius Grundmann mit einem Preis geehrt. Er bekam damals für die Promotionsarbeit den Carl-Ramsauer-Preis der AEG/Daimler Benz AG verliehen.

Es ist das erste Mal, daß der Akademiepreis, der nun jährlich ausgelobt werden soll, vergeben wird. Ausgezeichnet werden herausragende wissenschaftliche Leistungen junger Forscherinnen und Forscher.

Bettina Weniger


6/'96 TU-Pressestelle