Emanzipiert und zielstrebig

Herta Hammerbacher - erste Professorin an der TU Berlin

Sie lehrte 23 Jahre am Lehrstuhl Landschafts- und Gartenplanung innerhalb des Fachbereichs für Architektur, einem bis dahin unerschlossenem Arbeitsgebiet und zudem frauenuntypischen Bereich. Die Rede ist von Herta Hammerbacher, der ersten Professorin an der TU Berlin.

Während ihrer beruflichen Laufbahn suchte sie immer wieder die Beziehung zu Städtebauern und Architekten. Sie galt als Vorreiterin der Interdisziplinarität, fungierte als "grünes Gewissen" im Team der Städteplaner, wobei sie sich konsequent für ökologisches und humanistisches Planen einsetzte. Im Gegensatz zum naturfremden "Architekturgarten" der 30er Jahre, leitete sie eine Entwicklung der landschaftlich bestimmten und freigeformten Gärten in Deutschland ein und setzte damit neue Akzente auf diesem Gebiet.

Herta Hammerbacher lernte ihren Beruf von der Pike auf, stets in dem Bestreben, ihre Liebe zu den Pflanzen und ihr technisches Interesse miteinander zu verknüpfen. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Gärtnerlehre in den Schloßgärten von Sanssouci und praktischen Gärtnerjahren im Bodenseegebiet verließ die 1900 geborene Herta Hammerbacher 1926 die Dahlemer Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau als staatlich geprüfte Gartenbautechnikerin. Berufliche Praxis sammelte sie danach bis 1928 als Gartentechnikerin in der damals größten Baumschule Europas, bei L. Späth, und anschließend während ihrer 20jährigen Tätigkeit als freischaffende Gartengestalterin.

MEHR ALS 3500 GÄRTEN

Zusammen mit den Gartenarchitekten Karl Foerster und Hermann Mattern legte sie mehr als 3500 Gärten an Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern und anderen Bauten an. Dazu zählen ganze Parkanlagen in und außerhalb Berlins, die ihre Schönheit und Natürlichkeit Herta Hammerbacher verdanken. Beispiele sind die Anlagen am Hansaplatz, die Anlage am Hilton-Hotel und der Sommergarten am Funkturm.

Die engagierte und energische Frau, die schon sehr früh Kontakte mit namhaften Architekten, wie Scharoun, Poelzig, Hilberseimer und vielen anderen pflegte, forderte und vermittelte stets die Kooperation von Städtebauern und Landschaftsplanern. Nur so konnte ihrer Meinung nach humanistisches Bauen mit Gärten und Landschaften, die im Einklang mit der Natur stehen, Wirklichkeit werden. Sie setzte sich stets für die Pflege der natürlichen Landschaft und der Herausarbeitung ihrer charakteristischen Merkmale ein. Somit wurden Begriffe wie Ökologie und Umweltschutz schon zu einer Zeit von ihr geprägt, als diese für die meisten noch Fremdwörter waren.

Seine hohe Meinung gegenüber ihrer fachlichen Qualifikation und gemeinsame Arbeiten veranlaßten dann auch den damaligen Baustadtrat Professor Hans Scharoun die "Mulden-Herta" - so ihr freundschaftlicher Spitzname in Kollegenkreisen, weil sie in jedem Garten irgendeine Mulde einfügte - 1946 als Lehrbeauftragte für Landschafts- und Gartengestaltung an die TU Berlin zu holen. 1950 wurde Herta Hammerbacher außerordentliche Professorin; 1962 Ordinarius.

NATURGESETZE DER LANDACHAFT

Mit ihrer Philosophie beeinflußte sie eine ganze Generation von Architekturstudenten. Durch ihr gerades, klares Wesen, das sich gegen Ignoranz und für Durchsetzungskraft aussprach, konnte sie ihre Schüler für ihre Sache begeistern. Indem sie sie mit den Naturgesetzen der Landschaft vertraut machte, vermittelte sie ihnen die Notwendigkeit einer Analyse des zu bebauenden Geländes und damit einer interdisziplinären Zusammenarbeit.

Ein festliches Kolloquium an der TU Berlin zu ihrem 80. Geburtstag dokumentierte die Bedeutung ihres Schaffens für die Technische Universität.

Herta Hammerbacher, die internationale Anerkennung erlangte, konnte auch nach den Jahren an der TU Berlin ihre Gedanken durch zahlreiche Veröffentlichungen weiter verbreiten. Zusammen mit ihrer Tochter engagierte sie sich in der "Gesellschaft für Experimentelle und Angewandte Ökologie", bis sie im Jahr 1985 verstarb.

Hervorzuheben ist außerdem die Arbeit der Frau im Beruf als eine ihrer Lebensfragen. Von ihren Studentinnen verlangte sie, sich auf ein Leben mit Familie und Beruf einzustellen. Daß sie selbst auch Mutter war, konnte sie nicht davon abhalten, sich in einer Umwelt, die von Männern geplant wurde, selbstsicher, emanzipiert und zielstrebig durchzusetzen.
Silke Szydlik


6/'96 TU-Pressestelle