Nachgefragt

Anschluß verpaßt?

Eine moderne Universität ohne Computer und Vernetzung ist heutzutage kaum mehr vorstellbar. Seien es Lehrende und Lernende, Forscher und Verwalter: An Informations- und Kommunikationstechniken kommt bald keiner mehr herum. Die ständige Fortentwicklung der sogenannten IuK-Technologien bedeutet aber auch, ständig auf dem laufenden zu bleiben und wenn notwendig, neue Investitionen zu tätigen. Sonst besteht die Gefahr, an Rechnern zu arbeiten, die hauptsächlich historischen Wert haben, und den Anschluß an neue vernetzte Kommunikationssysteme zu verpassen.

Der Akademische Senat (AS) der TU Berlin ist sich dieses Problems bewußt. Im vergangenen Jahr setzte er deshalb eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit der Frage beschäftigte, wieviel IuK für die TU Berlin gut und notwendig sei. Im November legte sie einen Bericht vor, der einen Katalog von Maßnahmen für eine neue IuK-Dienstleistungs- und Versorgungsstruktur enthielt, und vom AS als fundierte Entscheidungsgrundlage begrüßt wurde.

Angesichts leerer Haushaltskassen werden aber viele Wünsche und sogar notwendige Anschaffungen nicht verwirklicht werden können. TU intern sprach mit dem Sprecher der AS-Arbeitsgruppe, Professor Horst Nowacki, darüber, was sich die TU Berlin im IuK-Bereich überhaupt noch leisten kann und wo die Gefahren des Sparkurses liegen.

Horst Nowacki
Was müßte die TU Berlin für ihre Informations- und Kommunikations-Infrastruktur unternehmen, um mit der aktuellen Entwicklung mitzuhalten?

Das findet man im Maßnahmenkatalog der AS-Arbeitsgruppe vom November letzten Jahres. Hierzu zählen die notwendige Modernisierung für Lehre und Forschung, für Verwaltungs- und Bibliotheksdienstleistungen, die Realisierung eines digitalen, offen zugänglichen Informationssystems und anderes mehr. Hiermit soll an der TU Berlin zunächst der Stand erreicht werden, den die DFG-Kommission für Rechenanlagen bundesweit 1995 empfohlen hatte und der in anderen Bundesländern schon überschritten ist. Danach ist ein kontinuierlicher Ausbau erforderlich, um mit der Entwicklung anderer Universitäten mitzuhalten und die Zukunft der TU Berlin zu sichern.

Wieviel kosten die vorgeschlagenen Maßnahmen?

Der IuK-Ausschuß hatte für das Startprogramm 1996/97 einen Mittelbedarf von ca. 25 Millionen Mark pro Jahr geschätzt, bisher kamen wir auf IuK-Ausgaben von 15 Millionen jährlich.

Was kann die TU Berlin in der jetzigen Haushaltslage überhaupt verwirklichen?

Es besteht die Gefahr, daß die TU Berlin auch in ihrem IuK-Etat in den nächsten Haushaltsjahren noch erheblich zurückfällt. Dem AS wird deshalb auf seiner nächsten Sitzung am 29. Mai ein Antrag vorgelegt, der mit einem Sofortprogramm für die Jahre 1996 bis '98 wenigstens die vordringlichsten Maßnahmen sichern soll. Hierzu gehört in oberster Priorität der weitere Ausbau des Campusnetzes und der Gebäudeverteiler, um möglichst alle TU-Gebäude netzfähig und erreichbar zu machen. Auch soll die Modernisierung der IuK-Dienstleistungen der Zentralen Universitätsverwaltung, der Fachbereichsverwaltungen und der Bibliotheken mit hoher Dringlichkeit vorangetrieben werden. Durch Ausbau der Wählanschlüsse soll der Zugang in Lehre und Studium verbessert werden. Für diese Sofortmaßnahmen sind in den IuK-Titeln der Haushalte '97 und '98 je 3,8 Millionen Mark zusätzlich zu den bisherigen Ansätzen erforderlich. Für 1996 ist bisher erst ein sehr knapper Mindestansatz für das Verwaltungsnetz und für das integrierte Bibliothekssystem vorgesehen.

Welcher Schaden entsteht der TU Berlin, wenn die vorgesehenen IuK-Maßnahmen nicht finanziert werden?

Der Übergang auf eine moderne, von allen nutzbare IuK-Infrastruktur verzögert sich maßgeblich. Kommunikation und Kooperation über das Campusnetz bleibt insular. Die Modernisierung der Dienstleistungen von Verwaltung und Bibliothek wird stark behindert und ihr Nutzen erreicht vorerst nicht alle Teile der TU Berlin. Das bedeutet auch Rückschläge für überfällige Maßnahmen der Verwaltungsreform. Die TU verliert so an Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität in Wissenschaft und Lehre. Einsparungen an ihrer Zukunftssicherung durch eine zeitgemäße IuK-Struktur kommen die TU Berlin bald teuer zu stehen.


© 5/'96 TU-Pressestelle