Abgelegener Ausstellungsort

"Neugier und Nutzen" - Wie kam die Ausstellung an?

Die antike Nike: Während der Ausstellung leisteten ihr einige Talare Gesellschaft. Nun steht sie wieder alleine im Lichthof
Anläßlich des 50sten Jahrestages der Eröffnung der TU Berlin nach dem Kriege fand vom 15. April bis zum 12. Mai eine Ausstellung zur TU-Geschichte statt. Unter dem Motto "Neugier und Nutzen" wurden hier Schautafeln und Ausstellungsgegenstände gezeigt, die die Geschichte der Universität und ihrer Fachbereiche erzählen. TU intern fragte einige der Besucher und Besucherinnen, wie ihnen die Ausstellung gefiel.
Tobias Kramer, Geschichtswissenschaften
Die Ausstellung zeigt wieder einmal, welchen geringen Stellenwert die Lehre in der Selbstdarstellung der TU Berlin hat. Einen Wetterballon zeigt man eben lieber her, als einen mit Studierenden überfüllten Seminarraum. Wenn die Texte sich auch um Objektivität bemühen, zeigen die Bilder eine andere Botschaft: Studierende beim Demonstrieren oder Segelbootfahren - Professoren in wallenden Roben, Heroen der Forschung. Ich frage mich, ob es wirklich sinnvoll ist, bei der gegenwärtigen Krise und dem Bedürfnis nach Zusammenarbeit, die Roben von tausend Jahren den Sprüchen der alten 68er gegenüberzustellen. Und wie verträgt es sich eigentlich, wenn im geschichtlichen Teil der Ausstellung die Selbstreinigung und der Neuanfang nach 1945 gepriesen werden, die Fachbereiche aber mit ihren über allen Zeitenwenden hinweg bedeutungsheischenden Köpfen prangen?
Georg Schröder, TU-Absolvent, Wirtschaftsingenieurwesen
Ich bin am Ende meines Studiums und erfahre eigentlich erst jetzt durch die 50-Jahr-Feiern und die Ausstellung, was es mit der TH und der TU auf sich hat. Das ist jetzt für mich etwas spät, aber es ist schön, daß man es nun überhaupt mitbekommt. Die Nachkriegsentwicklung finde ich schon sehr interessant, weniger interessiert mich die Zeit davor. Die Ausstellung könnte ruhig auch größer oder permanent sein, damit man sich noch besser auf diese ganze Thematik der Geschichte einlassen kann.
Brit Colditz, Bauingenieurwesen, 11. Semester
Ich finde das Thema des 50. Jahrestags wichtig und auch eine Ausstellung dazu. Aber mir persönlich hat eigentlich das genügt, was ich bisher in der TU intern gelesen habe. Ich glaube nicht, daß sich viele Studenten die Ausstellung anschauen. Der Lichthof ist meiner Meinung nach als Ausstellungsort ziemlich abgelegen, wenn ich mir überlege, wieviele Leute nie am Lichthof vorbeikommen. Besser wäre es im Foyer oder in der Nähe der Cafeteria. Dort ist immer ein Fluß von Menschen, und der eine oder andere würde dort eher stehenbleiben.
Sebastian Erb, Kommunikationswissenschaften, 10. Semester
Die Ausstellung gibt einen ganz guten Einblick in die Geschichte der TU, bleibt aber sehr oberflächlich. Die nationalsozialistische Vergangenheit als Technische Hochschule wird fast völlig verdrängt. Es fehlt manchmal an Struktur - Wie war doch gleich das Konzept? Ich hätte mir noch mehr audiovisuelle Medien bzw. Dokumente gewünscht.
Hans-Werner Althoff, Mitarbeiter des Umweltbundesamtes und TU-Besucher
Ich habe gerade Urlaub und habe zufällig gehört, daß hier an der TU so etwas läuft. Und nun bin ich mit meiner Frau hier und schaue einfach mal so herum. Allgemein interessiert mich die Geschichte der Technischen Universität und auch das was mit meiner Arbeit am Umweltbundesamt zu tun hat. Außerdem haben unsere beiden Töchter hier studiert, und es interessiert uns natürlich, was hier sonst noch so läuft.
Günter Ewald, Mitarbeiter in der Abteilung II Personalwesen
Die Gliederung der Ausstellung fand ich sehr übersichtlich und gelungen. Wenn man da einen Rundgang macht, hat man die Universität auf einen Blick plakativ vor Augen. Mich interessierte natürlich alles, was mit der Zentralen Universitätsverwaltung zu tun hat. Deshalb hat es mich zum Beispiel gefreut, viele alte Dokumente ausgestellt zu sehen. Sehr angesprochen hat mich auch die Ausstellung der Talare. Die hatte ich bisher noch nicht gesehen, obwohl ich ja bereits seit 25 Jahren an dieser Universität bin. Bei der Darstellung der Fachgebiete interessierten mich die Forschungsinhalte nur bei einigen, etwa bei der Ökologie, bei den meisten fand ich die Darstellung zu schwierig, um sie mit einem normalen Allgemeinwissen zu verstehen. Außerdem hätte ich es besser gefunden, wenn die Fachbereiche sich weniger aus der Zeit vor der Neugründung beschrieben hätten und da klarer zwischen der Technischen Hochschule und der neugegründeten Technischen Universität getrennt hätten. Aber insgesamt gefällt mir die Ausstellung so gut, daß ich immer mal wieder vorbeischaue und auch meine Kollegen dazu ermuntere.
Martin Rohde, TU-Absolvent, Wirtschaftsingenieurwesen
Von der Aufmachung her finde ich die Ausstellung sehr ansprechend. Wenn ich mich umschaue, finde ich allerdings, daß die Geschichte der TU im allgemeinen an dieser Uni viel zu kurz kommt. Eigentlich sollte man im ersten Semester mal so etwas wie eine allgemeine Veranstaltung zur TU-Geschichte haben, nicht nur eine einmalige Ausstellung.
5/'96 TU-Pressestelle