TU intern - Erstsemester-Special WS 1999/2000 - Studium

Ab in die Cafeteria!

Ausländische Studierende finden nicht immer auf Anhieb Anschluss an der Technischen Universität Berlin

Die TU Berlin ist die Universität mit dem höchsten Anteil an ausländischen Studierenden in Deutschland. Der internationale Mix kann einer Hochschule nur gut tun - aber wie gut geht es den ausländischen Kommilitonen auf dem Campus? Sprachprobleme und bürokratische Hürden erschweren den Studieneinstieg. Andererseits finden sich Gruppen mit vergleichbaren Problemen schnell zusammen; nur zu den deutschen Studierenden scheint der Kontakt nach wie vor rar zu sein. TU intern befragte ausländische Studierende auf dem Campus:

Raoul Leumalieu
3. Semester
Elektrotechnik

Wenn man nach Deutschland kommt und alles noch fremd ist, fällt einem der Einstieg ins Studium natürlich schwer. Vor allem wenn man noch nicht einmal die Sprache hier richtig beherrscht. Andererseits halten die Leute, die sich in einer ähnlich schwierigen Situation befinden, zusammen. Auch die Einführungsveranstaltungen können einem weiterhelfen. Wichtig für alle, die Geld brauchen, ist die TUSMA. Sie ist die einzige Anlaufstelle für Ausländer an der Uni, um an einen Job zu kommen.

Mehdi Khasheei
20. Semester
Luft- und Raumfahrttechnik

Vor allem das Studiensystem in Deutschland ist gewöhnungsbedürftig. Die Inhalte sind sehr theoretisch und vieles kann man später in der Praxis gar nicht anwenden. Davon mal abgesehen ist es auch schwierig, Leute kennenzulernen. Ich muss sagen, Integration ist hier im Alltag nicht so besonders gefragt. Die Studierenden teilen sich automatisch in festgefahrene Gruppen ein, kaum jemand guckt über den eigenen Tellerrand. Das ist in der Mensa genauso der Fall wie bei Arbeitsgruppen. Integration wird oft von beiden Seiten nicht gesucht, also auch Ausländer bleiben bewusst unter sich. Ich habe trotzdem versucht, Leute kennenzulernen, indem ich Kommilitonen in Übungen oder in der Pause angesprochen habe. Aber die paar deutschen Freunde, die ich gefunden habe, waren eher mal die Ausnahme.

Kemal Simsek
22. Semester
Diplomand Elektrotechnik

Der Einstieg hier war schon schwierig. Ich hatte keine Deutschkenntnisse, und es gab, als ich hier anfing, noch kaum türkische Studis. Der Studienstart war ein Sprung ins kalte Wasser, und es hat sehr lange gedauert, bis ich Leute kennen gelernt habe. Auch das Studiensystem war ganz anders, als ich es aus der Türkei kannte. Aber ich glaube, dass die Studienanfänger es heutzutage nicht mehr so schwer haben. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Organisationen, die sich speziell um die ausländischen Studierenden kümmern - jedenfalls wenn man sich selbst auch etwas um Kontakt bemüht. Viele wissen ja nicht mal, wie sie die Immatrikulation bewältigen sollen. Am wichtigsten sind persönliche Kontakte. Ich habe schon mehreren Freunden geholfen, die hier anfangs fremd waren. Vielen fehlt ja auch einfach der Mut, auf andere zuzugehen, jedenfalls wenn sie nicht gerade aus großen Städten wie etwa Istanbul kommen. Ich kann nur jedem raten: Die beste Anlaufstelle ist die Cafeteria.

Sari Tarigan
10. Semester
Biotechnologie

Für Ausländer ist es anfangs schwierig, Kontakt mit Kommilitonen oder Unieinrichtungen zu knüpfen. Ich kann allen Einsteigern nur raten, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Vor allem die Einführungsveranstaltung im Akademischen Auslandsamt ist empfehlenswert: Dort lernt man die höheren Semester kennen und kriegt Tipps und Tricks fürs Studium beigebracht. Ich habe zwar das Gefühl, dass die ausländischen Studierenden zusammenhalten, aber mit den deutschen Kommilitonen ist es schon schwieriger. An so einer großen Uni wie der TU bleiben die Cliquen eher unter sich. Über Gruppenarbeit oder ähnliches Leute kennenzulernen, ist immer ein bisschen Glückssache, aber es ist einen Versuch wert.

Muslim Yildiz
12. Semester
Luft- und Raumfahrttechnik

Als ich mit dem Studium an der TU anfing, hatte ich Glück, schon einige Leute zu kennen, mit denen ich bereits Abitur gemacht hatte. Außerdem gibt es ja gerade hier an der Uni viele türkische Studierende. Also Anschluss zu finden war für mich kein Problem. Aber das Studium war anfangs schon ganz schön chaotisch. Allein die Gebäude oder Räume zu finden war ein Problem. Zum Glück werden hier an der Uni Einführungskurse für ausländische Studierende angeboten. Allerdings können diese Kurse innerhalb von drei Tagen auch nicht auf alles vorbereiten. Immerhin kennt man schon mal die wichtigsten Anlaufpunkte auf dem riesigen Gelände hier wie Bibliothek und Mensa.

Kyeng-Min Kim
6. Semester
Gebäudetechnik

Die beste Anlaufstelle für alle Studienneulinge sind die Einführungsveranstaltungen. Dort habe ich einige Leute kennengelernt, mit denen ich auch später noch oft unterwegs war. Aber ich kannte auch schon einige Kommilitonen, mit denen ich bereits das Abi gemacht hatte. Mir hat es von Anfang an hier an der TU sehr gut gefallen, die Leute waren alle sehr nett. Allen ausländischen Kommilitonen, die Arbeit suchen, kann ich noch die TUSMA empfehlen. Dort kann man Jobs finden ohne gleich eine unbefristete Arbeitserlaubnis vorlegen zu müssen. Man muss nur leider ziemlich lange warten, bis man etwas bekommt.

Mihwa Cho
4. Semester
Betriebs-
wirtschaftslehre

Ich kenne nicht viele Leute hier an der Universität, obwohl ich nicht glaube, dass es so schwierig ist, Kontakte zu knüpfen. Meinen Freundeskreis kenne ich aus der evangelischen Kirchengemeinde, in der ich lebe. Außerdem habe ich noch Anschluss in meinem Studentenwohnheim. Aber viele Leute kenne ich dort auch nicht.


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