Forschung Aktuell

 Wissenschaftsdienst
Nr. 1, März 2000

TU Berlin Wissenschaftsdienst der TU Berlin
Ausgabe Jg. 1 / Nr. 1 / März 2000

Seniorengerechte Technik
Sensoren als Sturzmelder

Sicherheit im Haushalt spielt vor allem für Senioren eine wichtige Rolle. Wissenschaftler der TU Berlin entwickeln ein spezielles Personennotrufsystem, das Stürze automatisch erkennt und weiterleitet. Es soll in die Uhr oder den Fingerring integriert werden und in zwei Jahren auf den Markt kommen.

Die Deutschen werden immer älter. Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass der Anteil an über 60-Jährigen schon jetzt bei 25 Prozent der Gesamtbevölkerung liegt und im Jahr 2030 auf 35 angewachsen sein wird. Flankiert wird diese Entwicklung von der Tendenz, immer früher aus dem Berufsleben auszusteigen, und dem Wunsch, auch im Alter ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden führen zu können.

Trotz dieser Fakten hinkt die technische Entwicklung altersgerechter Produkte der Nachfrage hinterher - auch in Deutschland. Um diese Lücken bedarfsgerecht zu schließen, haben sich deutsche Wissenschaftler verschiedener Disziplinen in dem DFG-geförderten Forschungsprojekt SENTHA (Seniorengerechte Technik im häuslichen Alltag) zusammengeschlossen. Dabei werden von der DFG insgesamt rund drei Millionen Mark in sieben Teilprojekte investiert.

"Für einen unabhängigen Umgang im Haushalt spielt vor allem der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle", erklärt Bert Schadow, Diplom-Ingenieur am Institut für Mikrotechnik und Medizintechnik der Technischen Universität (TU) Berlin. Um ihn älteren und oftmals kranken Personen gewährleisten zu können, tüfteln die Berliner Wissenschaftler innerhalb des SENTHA-Projektes mit Kommunikationstechnikern der BTU Cottbus an einem speziellen Personennotrufsystem, das die Defizite herkömmlicher Geräte ausschließen soll.

Bei diesen Geräten müssen die Betroffenen nämlich selbst das Signal auslösen - oft per Tastendruck. Doch die meisten von ihnen sind nach einem Unfall im Haushalt dazu nicht in der Lage. Das System der TU-Wissenschaftler wird selbst Notsituationen erkennen können und automatisch eine medizinische Hilfsstelle alarmieren. Dabei sollen Sensoren ständig wichtige Parameter wie Herzschlag, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Mobilität kontrollieren.

Zunächst konzentrieren sich die Berliner auf einen Sturzmelder. Immerhin ereignen sich im Haushalt jährlich 27 Prozent aller tödlichen Unfälle, davon zirka 80 Prozent auf Grund von Stürzen. Ein Prototyp des Gerätes befindet sich bereits in der Erprobungsphase. "Wir verwenden dabei einen Quecksilberschalter als Sensor. Das Notrufsystem sendet immer dann ein Signal aus, wenn ein Winkel von 45 Grad, von der Körpermittelachse aus gemessen, überschritten wird und das länger als 30 Sekunden andauert", erklärt Bert Schadow die Funktionsweise.

Ein ähnliches Modell ist in Finnland bereits auf dem Markt. Das 2000 Dollar teure System wird nun in Berlin getestet. "Vor allem die Reichweite des integrierten Senders wollen wir deutlich erweitern, um den Nutzern einen noch größeren Sicherheitsbereich zu gewährleisten", so Schadow.

Andere Parameter wie die Sauerstoffsättigung des Blutes oder auch die Pulsfrequenz könnten über die Farbe des Blutes kontrolliert werden. Dabei soll ein Infrarot-Sensor zur Anwendung kommen, der sie an einer geeigneten Körperstelle messen kann. Ähnliche Geräte werden in der medizinischen Praxis als Finger- oder Ohrklemme bereits eingesetzt.

Eine einzelne medizinische Größe reicht jedoch nicht aus, um den Gesundheitszustand eines älteren Menschen zuverlässig beurteilen zu können. Die Kombination und die Abstimmung auf den Anwender sind deshalb wichtige Faktoren für die Zuverlässigkeit des Systems. Außerdem sollen die Maße und das Design des Notrufsystems den Träger nicht beeinträchtigen. Beispielsweise könnte es in einer Armbanduhr oder dem Fingerring integriert werden. "Die Akzeptanz des Gerätes durch den Nutzer spielt für uns Ingenieure eine große Rolle", sagt Bert Schadow. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das Personennotrufsystem marktreif sein.

Datenbank

Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Bert Schadow, Technische Universität Berlin, Institut für Mikrotechnik und Medizintechnik
Fachgebiet: Seniorengerechte Technik
Forschungsprojekt: Sicherheits- und Unterstützungsfunktionen in alters- und behindertengerechten Geräten, Teilprojekt der interdisziplinären Forschergruppe "Seniorengerechte Technik im häuslichen Alltag"
Kontakt: Dovestraße 6, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-23388, E-Mail: bert@bmt1.kf.tu-berlin.de

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