Forschung Aktuell

 Wissenschaftsdienst
Jg. 5, Nr. 1, Feb. 2004

TU Berlin Wissenschaftsdienst der TU Berlin
Ausgabe Jg. 5 / Nr. 1 / Februar 2004

Luftbildinterpretation
Bäume im Stress 

Der extrem trockene Sommer 2003 setzt den Wäldern zu. Die Arbeitsgruppe Forstlicher Luftbildinterpreten sagt für das kommende Jahr schwere Schäden voraus

Bäume leben nicht ewig
Bäume leben nicht ewig, auch sie sterben ab wie dieses Prachtexemplar. Inwiefern der extrem trockene Sommer 2003 den Bäumen schadete, werden wir erst in diesem Jahr mit Sicherheit wissen. Die Vorhersagen der Luftbildexperten jedoch sind düster.

Foto: TU-Pressestelle/Weiß
Abdruck honorarfrei. Beleg erbeten
Die in vielen Teilen Zentraleuropas extreme Trockenheit des Sommers 2003 hat bereits lokal zu unmittelbaren Schädigungen der Wälder geführt. Die auf der Tagung der Arbeitsgruppe Forstlicher Luftbildinterpreten (AFL) im Oktober in Wien zusammengestellten Erfahrungsberichte prognostizieren, dass es im Jahr 2004 zu noch stärkeren Folgeschäden kommen wird. 

"Diese werden großflächig, aber mit sehr unterschiedlicher Intensität auftreten, was auf lokal stark variierende Niederschlagsmengen, Standort- und Bestandseigenschaften zurückzuführen sein wird", sagen die beiden TU-Wissenschaftler Prof. Dr. Birgit Kleinschmit und Prof. Dr. Hartmut Kenneweg vom Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. Beide gehören der AFL an, einem Zusammenschluss von Luftbildexperten im deutschsprachigen Raum. 

Nach Erfahrungen aus früheren Trockenperioden rechnen die Luftbildexperten mit folgenden Schäden, deren Anfänge in verschiedenen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz schon zu beobachten sind:

  • flächiges Absterben von Beständen oder Bestandesteilen als unmittelbare Dürrefolge, auch in Laubwäldern,
  • Massenvermehrungen von Borkenkäfern und anderen Insekten,
  • Pilzschäden in geschwächten Beständen, die über mehrere Jahre zum Absterben von Bäumen und zu einer starken Qualitätsminderung des Holzes führen,
  • Störungen der Mischbestandsentwicklung (z.B. durch schädigungs- und konkurrenzbedingtes Ausfallen einer Mischbaumart),
  • umfassende Erkrankung des Waldes mit im Einzelnen schwer vorhersehbaren Symptomen.
    Besonders gefährdet sind Buche, Eiche und Fichte.

Auch erste Berichte der Landesumweltbehörden weisen darauf hin, dass die extreme Trockenheit des vergangenen Sommers den deutschen Wäldern arg zu schaffen macht. Der Wassermangel setze besonders den Eichen zu, heißt es. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald prognostiziert, dass bundesweit jeder vierte Baum Schäden aufweisen wird.

Für das kommende Jahr sagen die Luftbildexperten einen großen Bedarf an großflächigen Übersichtsinventuren über den Zustand der Wälder voraus. Mit Luftbildern und anderen Fernerkundungsmethoden stehen erprobte und standardisierte Verfahren zur Verfügung, die einen schnellen Überblick über die Schäden ermöglichen.

Die AFL appelliert an die Behörden, rechtzeitig finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um im Frühjahr 2004 mit speziellen Luftbildkameras den Zustand der deutschen Wälder nach dem extremen Sommer 2003 zu erfassen.

Sybille Nitsche

Die Arbeitsgruppe Forstlicher Luftbildinterpreten (AFL) wurde 1986 gegründet und beschäftigt sich mit Fragen der Standardisierung, Anwendung und Qualitätskontrolle von analogen und digitalen Luftbildinterpretationen sowie der Optimierung der Luftbildaufnahme. Luftbildaufnahmen und andere Fernerkundungsmaßnahmen geben Auskünfte über Zustand und Struktur der Wälder, was für neue Waldbaustrategien von Bedeutung ist.

Datenbank

Ansprechpartner: Prof. Dr. Birgit Kleinschmit, Fachgebiet: Geoinformationsverarbeitung in der Landschafts- und Umweltplanung 
Prof. Dr. Hartmut Kenneweg, Fachgebiet: Landschaftsplanung, insbes. Landschaftspflege und Naturschutz
Beide arbeiten am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin.
Kontakt: Prof. Dr. Birgit Kleinschmit, Tel.:030/314-73290, E-Mail: birgit.kleinschmit@tu-berlin.de 
Prof. Dr. Hartmut Kenneweg: Tel.: 030/314-73491, E-Mail: Kenneweg@ile.tu-berlin.de 
Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin

Download des Textes als .rtf-Datei, Foto als .zip-Datei