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 Wissenschaftsdienst
Jg. 5, Nr. 2, Juni 2004

TU Berlin Wissenschaftsdienst der TU Berlin
Ausgabe Jg. 5 / Nr. 2 / Juni 2004

Lichttechnik
Sonnensimulator heilt Patienten

TU-Wissenschaftler entwickelte ein Gerät, das durch künstliche Lichtquellen das für den menschlichen Organismus wichtige Vitamin D3 optimal erzeugt. 

Die heilende Wirkung des Lichts ist aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Vitamin D zum Beispiel wird durch Sonnenstrahlung in der Haut gebildet und in Niere und Leber zu dem für Stoffwechselprozesse und organische Funktionen so wichtigen Vitamin D3 umgewandelt. Dieses Vitamin, das eigentlich ein Hormon ist, wirkt gegen Herz- und Kreislauferkrankungen, beeinflusst positiv das Immunsystem und steigert die physische Leistungsfähigkeit. Neuere Studien belegen sogar, dass es präventiv gegen verschiedene Arten von Tumoren wirkt. So haben Untersuchungen ergeben, dass bestimmte Krebsarten von Norden nach Süden abnehmen. Besonders in den Wintermonaten kann es in unseren Breitengraden zu Mangelerscheinungen an Vitamin D3 kommen, da etwa nur fünf Prozent dieses Stoffes über die Nahrung aufgenommen und der Rest durch Sonnenstrahlung in der Haut gebildet wird. Vitamin D3 kann sowohl als Medikament eingenommen als auch durch künstliche Bestrahlung erzeugt werden.

Die Medizin beschäftigt die Frage, wie solche künstlichen Lichtquellen beschaffen sein müssen, um die optimale Erzeugung des Vitamins D3 im menschlichen Organismus zu erreichen. Mehmet Yeni, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin, hat im Rahmen seiner Forschungsarbeit bei Prof. Dr. Heinrich Kaase für das Dialysezentrum in Berlin-Moabit einen Sonnensimulator für die optimale Vitamin-D3-Bildung entwickelt - eine sechseckige, begehbare Kabine, in der der Patient quasi eingepackt in Licht von allen Seiten gleichmäßig bestrahlt wird. Durch die Anpassung der in der Kabine benutzten Materialien und Strahlungsquellen an die gewünschte Wirkung werden kürzere Bestrahlungszeiten möglich. Auf Grundlage seiner Berechnungen entwarf Yeni einen Bestrahlungsplan, der exakt bestimmen kann, wann die Strahlung ihre heilende Wirkung entfaltet, ohne den Patienten den negativen Effekten der UV-Strahlung auszusetzen. Durch eine speziell für die Kabine entwickelte Software erhält der Patient über die Eingabe seines Namens die zuvor auf seinen Hauttyp abgestimmte heilende Dosis an UV-Strahlung. Der Sonnensimulator wird bei der Behandlung von Nierenpatienten eingesetzt. 

Außerdem untersucht Mehmet Yeni Lichttherapiegeräte. Diese Geräte werden für die Behandlung so genannter saisonaler Depressionen, die ebenso auf einen Mangel an Licht im Winter zurückzuführen sind, genutzt. Auch hier geht es darum, durch den Einsatz künstlicher Lichtquellen eine optimierte Therapie zu erreichen. 

Neben dem Dialysezentrum arbeitet Yeni mit dem Institut für Naturheilkunde am Universitätsklinikum Berlin-Steglitz der Freien Universität Berlin und mit Michael Holick zusammen, der an der Universität Boston (USA) eine der führenden Forschungsgruppen weltweit zum Thema Vitamin D leitet.

Sybille Nitsche

Datenbank

Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Mehmet Yeni 
Kontakt: Fakultät IV - Elektrotechnik und Informatik, Institut für Energie- und Automatisierungstechnik, Fachgebiet Lichttechnik, Einsteinufer 19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-22156, Fax: 030/314-22161, E-Mail: yeni@ee.tu-berlin.de  

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