[TU Berlin] Medieninformation Nr. 249 - 10. November - Bearbeiter/in: bk
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ACHTUNG: SPERRFRIST FÜR DEN SCHERING-PREIS, 17. November 2003, 16:00 UHR

Über neuartige synthetische Moleküle

Schering-Preisverleihung und Bohlmann-Vorlesung an der TU Berlin

Dr. Andrea-Nicole Richarz und Dr. Simon Gessler von der TU Berlin werden für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Schering-Preis 2002 für hervorragende Dissertationen, die an der TU Berlin im Fach Chemie angefertigt worden sind, ausgezeichnet. Der von der Schering Forschungsgesellschaft gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte Preis wird seit 1986 von der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin verliehen. 

Zur Tradition gehört mittlerweile auch, dass vor der Preisverleihung die Bohlmann-Vorlesung stattfindet, die seit 1989 jährlich von der Schering AG und dem Institut für Organische Chemie der TU Berlin organisiert wird. Sie wurde nach der Emeritierung des langjährigen Leiters des Instituts, des 1991 verstorbenen Prof. Dr. Ferdinand Bohlmann, eingerichtet. Für diese Veranstaltung, die über den Rahmen einer gewöhnlichen wissenschaftlichen Vorlesung hinaus geht, wählen die TU Berlin und Schering AG gemeinsam herausragende Wissenschaftler aus. 

Wir laden Sie recht herzlich zur Bohlmann-Vorlesung und der anschließenden Schering-Preis-Verleihung ein:

Zeit: am Montag, dem 17. November 2003, 16.00 Uhr c.t.
Ort: TU Berlin, Altes Chemiegebäude, Hörsaal C 130, Straße des 17. Juni 115, 10623 Berlin

Bohlmann-Vorlesung:
"Molecular Recognition of DNA by Small Molecules", so lautet der Titel der Bohlmann-Vorlesung 2003, die in diesem Jahr von Prof. Peter B. Dervan vom California Institute of Technology, Pasadena gehalten wird. 

Peter Dervan forscht auf dem Gebiet der bioorganischen Chemie. Er hat die Methoden der Synthese, der physikalischen Chemie und der Biologie kombiniert, um neuartige synthetische Moleküle zu erschaffen, die in ihrer Affinität und Spezifität gegenüber beliebigen DNA-Sequenzen vergleichbar mit natürlichen DNA-bindenden Proteinen sind. Diese Herangehensweise könnte weitreichende Bedeutung für die Humanmedizin haben.

Der 1945 in Boston geborene Peter Dervan studierte Chemie am Boston College. 1972 promovierte er an der Yale University und ging für ein Jahr als Postdoctoral Fellow an die Stanford University. Seit 1973 arbeitet er am California Institute of Technology, Pasadena. Er ist Mitglied in verschiedenen Akademien und wurde bereits mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt.

Zum Schering-Preis: 
“Speziationsanalyse von proteingebundenen Elementen in Cytosolen als biologische Marker für Lebensprozesse unter besonderer Berücksichtigung der Metallothioneine im Gehirn“ lautet der Titel der Dissertation, die Dr. Andrea-Nicole Richarz im Jahr 2001 im Institut für Chemie der TU Berlin und am Hahn-Meitner-Institut Berlin bei Prof. Dr. Peter Braetter angefertigt hat. 

Damit Lebensvorgänge optimal ablaufen, müssen im Organismus verschiedene Spurenelemente nicht nur innerhalb bestimmter Konzentrationsbereiche vorhanden, sondern auch an bestimmte Biomoleküle gebunden sein. Diese essentiellen Elemente sind z.B. notwendig als Katalysatoren in der Synthese von Enzymen, als aktive Zentren von Proteinen oder als strukturformende Komponenten von Biomolekülen. Zum besseren Verständnis von Toxizität, Essentialität, Bioverfügbarkeit oder den Mechanismen von Absorption, Transport und Speicherung von Spurenelementen im Organismus ist es notwendig, ihre chemischen Bindungen nicht nur im Serum, sondern auch in den Kompartimenten des Organismus zu analysieren.

Andrea-Nicole Richarz ist 1973 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Chemie an der TU Berlin, arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hahn-Meitner-Institut Berlin. Seit letztem Jahr arbeitet sie als Editorial Assistant bei einer Fachzeitschrift für Medizin und Biologie.

Dr. Simon Gessler hat seine Dissertation über äNeue trägerfixierte und homogene Katalysatoren für die Olefinmetathese“ geschrieben und wurde dabei von Prof. Dr. Siegfried Blechert am Institut für Chemie betreut. 

Unter dem Begriff Olefinmetathese versteht man in der Organischen Chemie eine Klasse von Reaktionen, die C-C-Doppelbindungen (Olefine) betreffen. Diese werden dabei von geeigneten Katalysatoren formal in zwei Hälften zerschnitten und anschließend zu neuen Doppelbindungen zusammengefügt. Durch diesen Austausch von Doppelbindungshälften kann der Aufbau komplexer organischer Verbindungen oft in wenigen Schritten erzielt werden: Als Katalysatoren für diese Reaktionen werden sog. Metallorganische Verbindungen, die in geringen Mengen zur Reaktionslösung zugesetzt die Olefinmetathese starten und vorantreiben. Dem Design der "Hülle“ solcher Ruthenium Verbindungen widmet sich Simon Gessler in seiner Arbeit. Durch das gezielte Variieren und das Abweichen vom bisher üblichen Bauprinzip konnten für verschiedene Anwendungen maßgeschneiderte neue Katalysatoren gefunden und charakterisiert werden, die sich durch eine vereinfachte Handhabung und Wiederverwendbarkeit (trägerfixierte Katalysatoren), eine hohe Aktivität bei gleichzeitig erhöhter Stabilität (homogene Katalysatoren) auszeichnen. Die hier erzeugten Katalysatorgenerationen haben zur Entwicklung neuer Synthesekonzepte und neuer Anwendungen der Olefinmetathese in der Synthese von Naturstoffen einen Beitrag geleistet.

Simon Gessler ist 1970 in Weingarten (Württemberg) geboren. Nach dem Chemiestudium in Konstanz, Grenoble und Marburg, kam er zur Promotion 1999 an die TU Berlin, die er im Jahr 2002 abschloss. Seit Anfang diesen Jahres arbeitet er als Chemiker bei der Degussa AG. 

Dr. Simon Gessler und Dr. Andrea-Nicole Richarz erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.


Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Bettina Klotz, Pressereferentin der TU Berlin, Tel.: 030/314-27650/ - 22919, E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de oder Christel Hecht, Geschäftsstelle Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V., Tel.: 030/314-23758
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