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November 2005
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Renaissance der Mitte

Wie in den Metropolen das Zentrum wieder belebt wird

Neuer Charme für alte Mitte: der Trafalgar Square in London nach dem Umbau durch die Architekten Foster & Partners
Foto: Foster & Partners

Die Zentren der Großstadtregion erleben ein Comeback, eine Renaissance der Mitte ist unübersehbar. Doch die Zentren der Zukunft unterscheiden sich von denen der Vergangenheit. Wir sind auf dem Wege zu einem "dritten Zentrum". Diese Thesen formulieren die Autoren des Buches "Renaissance der Mitte. Zentrumsumbau in London und Berlin", erschienen im Verlagshaus Braun Berlin 2005.

Das Buch ist das Ergebnis eines von Harald Bodenschatz, TU-Professor für Planungs- und Architektursoziologie, geleiteten Forschungsprojekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Schinkel-Zentrum der TU Berlin über den städtebaulichen Umbau der Zentren von London und Berlin seit den 1980er-Jahren. Untersucht wurden die beiden Metropolen, weil sie in der Nachkriegszeit von 1945 herausragende Beispiele für eine konfliktreiche Wende zum nachmodernen Städtebau sind. London wie Berlin haben spektakuläre, international beachtete nachmoderne städtebauliche Projekte realisiert.

Beide Städte waren aber auch mit harten Brüchen konfrontiert - Berlin mit dem Fall der Mauer, London mit dem Big Bang, der Auflösung des Greater London Council und der Neueinrichtung der Greater London Authority. Während es in London um die Steuerung des konjunkturell schwankenden Wachstums in einer "World City" ging, stand in Berlin nach dem Mauerfall die Wiedervereinigung der Stadt und deren Transformation in die neue Hauptstadt des vereinigten Deutschlands auf der Tagesordnung.

In den postindustriellen Stadtregionen London und Berlin erleben die Zentren eine unübersehbare Renaissance, und in diesem Prozess verändern sie sich tief greifend. Nach einer das 20. Jahrhundert prägenden Phase der De-Zentralisierung erleben wir seit den 1980er-Jahren eine Trendwende hin zu einer Re-Zentralisierung. Wenn heute von Urban Renaissance gesprochen wird, ist zumeist das Zentrum gemeint. Private Investitionen drängen in das Zentrum, die Stadtpolitik erarbeitet eine Strategie der Re-Zentralisierung und die Wahrnehmung wie auch der Streit um Architektur und Städtebau bündeln sich in den Zentren. Stadtregionen verbildlichen sich durch ihre Zentren, und diese Bilder gehören zu den Lockmitteln des internationalen Stadttourismus und dienen als werbende Botschafter der Städtekonkurrenz.

Gemeinsam ist beiden Städten das Bemühen um einen hohen gestalterischen Aufwand, um Urban Design - unter der Prämisse der Inszenierung von Tradition und Innovation. Stadtentwicklungskonzepte sind in beiden Städten zwingend. Denn ein hoffnungsloser, weiter verfallender Armutsgürtel um ein aufblühendes Zentrum würde den nachmodernen Zentrumsumbau zu einem hohlen Spektakel verkümmern lassen.

Sybille Nitsche

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