Eine unendliche Geschichte

Bibliotheksneubau an der Fasanenstraße gestoppt - Berliner Senat sperrte die Gelder für 1997 und 1998

Die Baustelle des Bibliotheksneubaus an der Fasanenstraße: Die Bibliothekfür TU und Hdk wird seit mehr als 20 Jahren geplant; demnächst sollte die Baugrube ausgehoben werden. Aber der Berliner Senat hat das Bauvorhaben jetzt auf eins gelegt
Es ist wahrlich eine lange Geschichte, die Historie des Bibliotheksneubaus an der Fasanenstraße. Jetzt scheint sie sich sogar in eine unendliche Geschichte zu verwandeln. Denn auf seiner jüngsten Sparklausur entschied der Berliner Senat: Das Projekt wird verschoben. Das Bücherhaus, in das die Bibliotheken der TU Berlin und der Hochschule der Künste einziehen sollten, ist nun auf Eis gelegt und wird erst in ein paar Jahren weitergebaut.

Wissenschaftssenator Radunski, dessen Senatsverwaltung Bauherrin für das Projekt ist, bestätigte auf einer Pressekonferenz am 25. Oktober, der Bau sei "verschoben". Auf Nachfrage, wann es denn weitergehe, entgegnete er nur, das stehe noch nicht fest.

Auf der Baustelle ruhen derzeit die Arbeiten. Allerdings aus einem anderen Grund: Vor rund zwei Monaten stieß die Senatsbauverwaltung, die die Baumaßnahme durchführt, bei den Vorarbeiten für den Baugrubenaushub auf kontaminiertes Erdreich. Nun muß erstmal geklärt werden, wie die zusätzlichen Kosten bezahlt werden, die beim Aushub und der Beseitigung anfallen.

Sobald das geschehen ist, könnte es dann weitergehen - wenn der Neubau auf der jüngsten Senatsklausur nicht zum Sparposten geworden wäre. Die Koalitionspolitiker hatten beschlossen, am Bibliotheksneubau zu sparen und sperrten daraufhin die bisher vorgesehenen Haushaltsansätze für die Jahre 1997 und 1998. Das bedeutet für die Baustelle an der Fasanenstraße nun "Baustopp".

Trotzdem werden im kommenden Jahr voraussichtlich Kosten anfallen: zum Beispiel Abfindungen für Firmen, Architekten und Ingenieure. Wie man das auffangen will, darüber hat noch kein Politiker eine Aussage getroffen.

Ein Rückblick auf ein ähnlich großes Bauvorhaben zeigt die finanziellen Risiken: Der Senat hat bereits 1974 das Bauvorhaben der Zentralen Tierlaboratorien an der FU Berlin in ähnlicher Weise gestoppt. Diese Entscheidung - d. h. Baustopp und späteres Wiederaufnehmen - verursachten damals Mehrkosten von rund 20 Millionen DM.

Für die TU Berlin wird die Sparmaßnahme des Senats schon heute eine teure Angelegenheit: Insgesamt 8430 Quadratmeter - 6830 davon im Hauptgebäude - können nicht wie vorgesehen freigemacht werden. Konsequenz: Räumlichkeiten, die die TU Berlin angemietet hat, können nicht freigemacht werden und kosten weiterhin Miete; darüber hinaus muß die Universitätsbibliothek (UB) neue Ausweichmagazine organisieren. "Eine wahrlich teure Sparmaßnahme", klagt UB-Direktor Klaus Laasch im TU-intern-Interview (auf dieser Seite).

Die TU-Bibliothek wird weiterhin ohne eigenes Gebäude auskommen müssen. In weite Ferne gerückt sind die geplanten besseren Fachlesesäle und die großen Freihandbereiche, die Vernetzung von Arbeitsplätzen und eine ausreichende PC-Ausstattung für Recherchen in der TU Berlin und anderen Bibliotheken. Aufzüge und Transportbänder sollten die UB auf den neuesten Stand der Technik bringen; statt dessen wird man in der Hauptbibliothek weiterhin mit der Handkarre arbeiten - "wie vor hundert Jahren", so UB-Direktor Laasch. Und die ersehnte moderne und ergonomische Ausstattung ihrer Arbeitsplätze wird für die UB-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen nach wie vor ein Wunschbild bleiben.

Für Bibliotheks-Chef Laasch bleibt derzeit nur ein trauriges Resumee: "Nur zwei Universitätsbibliotheken in den alten Bundesländern haben es in der Zeit ihres Bestehens nie zu einem eigenen Haus gebracht: die TU München und die TU Berlin. Zumindest für Berlin, so müssen wir befürchten, wird sich daran wohl vorläufig nichts ändern."

René Schönfeldt


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