MEDIEN

365 Stunden auf Sendung

Das uniRadio Berlin-Brandenburg ist seit einem Jahr auf Sendung - Zeit für einen Rückblick und einen Ausblick

Die "Goldelse" mit Kopfhörer und Mikrophon: Sie ist seit einem Jahr das Symbol des uniRadios

UniRadio Berlin-Brandenburg ist seit einem Jahr auf Sendung. Ein kleines Fazit zur ersten Geburtstagsfeier zieht Dr. Andreas-R. Wosnitza, einer der drei festangestellten uniRadio-Redakteure.

Ein Montag im Januar 1997, 9 Uhr, ein ganz normaler Redaktionstag im uniRadio beginnt. Ein ganz normaler Redaktionstag? Nicht ganz. Nach den Weihnachtsferien ist die Redaktion zum ersten Mal wieder gut besetzt, allerdings die Mehrzahl der Studenten und Studentinnen sind Anfänger, denn es ist der erste Tag der neuen Praktikanten. Wie muß ich das Mikrofon halten? Wie schreibe ich eine Nachricht? Und überhaupt, was ist eigentlich eine Recherche? Am Ende, um 17 Uhr muß eine Sendung stehen, die sich von der journalistischen Qualität anderer Sendungen nicht unterscheidet.

TRAINING IM SCHNELLGANG

Für die Neulinge viel Ratlosigkeit und Angst. Doch mit Geduld und Journalismustraining im Schnellgang ist um 17 Uhr jeder irgendwie in der Sendung vertreten und zwar so, daß der Moderator nicht sagen muß: "Sorry, heute uniRadio von Anfängern für Anfänger!"

Und das ist wieder ganz normal.123 StudentInnen aus unterschiedlichsten Studienrichtungen unterschiedlicher Hochschulen wurden als Praktikanten im ersten uniRadio-Jahr wie an diesen Tag in die "kalten Radiowellen" geworfen, um sich nach vier Wochen intensiver Radiopraxis Jungjournalisten nennen zu können. Die theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium, Nachrichten-, Sprech- und Interviewtrainig, Technikübungen am Computer und im Studio und last not least die täglich Umsetzung des Gelernten in die Praxis von uniRadio-"live at five", all das ist als Ausbildungskonzept in der Radio-Landschaft einzigartig.

Ein gutes Ergebnis, das zum ersten Geburtstag von uniRadio am 15. Januar gefeiert wurde. Und doch war dies nicht der wichtigste Grund zum feiern. In einer Zeit massiver Bedrohung des Bestands von Ausbildung und Forschung durch eine rigide Sparpolitik des Senats, hatten 13 Hochschulen und Universitäten aus Berlin und Brandenburg den Mut dieses uniRadio als gemeinsames Projekt aufzubauen und zu finanzieren. Sie hatten den Mut, ein Radio-Konzept zu entwickeln, mit dem die Kompetenz und Vielfalt der Berlin-Brandenburger Hochschullandschaft journalistisch einer breiten Öffentlichkeit nahegebracht werden soll.

Dieses Konzept ist im ersten Jahr aufgegangen. "Live At Five" hat regelmäßig und teilweise mit exklusiven Informationen die Spardebatte begleitet, hat den Berliner Wissenschaftssenator Peter Radunski ins "Verhör" genommen. Live-Reporter begleiteten die Studentenproteste, und die Präsidentschaftskanditaten der TU standen auf dem Prüfstand. Mancher Experte sprach im uniRadio zum ersten Mal zu einem aktuellen Thema und wurde von den anderen Medien "entdeckt". Im zugefrorenen Berlin erklärte ein TU-Wissenschaftler die Technik eines Eisbrechers, ein Mediziner erläuterte die Auswirkungen der Kältewelle für den menschlichen Organismus, ein Professor porträtierte seinen ehemaligen Doktoranden: den serbischen Oppositionsführer Djindjic. Am Wochenende bereichern Wissenschaftssendungen, Vorträge, Literatur-, Musik- und Kulturmagazine und das experimentierfreudige Studentenmagazin RX-5 die Diskussion.

UNIRADIO WIRD VIELFÄLTIGER

Aber keine Feier ohne Kritik. UniRadio muß thematisch noch vielfältiger werden, uniRadio muß exklusiv Themen machen, uniRadio muß sich in einer breiteren Öffentlichkeit noch etablieren. Das war für eine einstündige Insel im englischsprachigen Raum der Voice of America auf 87,9 nicht leicht. Aber seit dem 3. Februar ist eine zweite Insel hinzugekommen. Täglich von 21 bis 22 Uhr produzieren Studenten in eigener Regie das Magazin "Nachtschiene«. Eine Sendung zwischen Wissenschaft, Kultur und Szene, zwischen Reportage, Live-talk und Musik. Auch hier kann jeder mitmachen, leider umsonst - auch wenn es nicht umsonst ist. Und das kann nun wieder gefeiert werden.

Andreas-R. Wosnitza


2/'97 TU-Pressestelle [ ]