DAS ALLERLETZTE

Klasse statt Masse

/dpa/fwt/ Frauen haben zwar weniger Gehirnzellen - beim Gedächtnis sind sie den Männern dennoch überlegen. Wie eine britische Langzeitstudie der Universität Cambridge zeigte, haben Frauen im Schnitt ein wesentlich besseres Erinnerungsvermögen als männliche Versuchspersonen. Das ermittelte das Psychologenteam unter Leitung von Joyce Whittington und Felicia Huppert mit einfachen, aber raffiniert gestellten Fragen, wie die Zeitschrift "Psychologie heute" (September 97, S. 8) berichtet.

Fast 4000 Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren wurde eine Liste allgemein bekannter Nahrungsmittel vorgelegt, die sie später wiedergeben sollten. Geschickt bauten die Forscher den Test in eine Umfrage über Gesundheit und Lebensstil ein. So wurde den Versuchsteilnehmern bewußt verheimlicht, daß sie an einem Gedächtnistest teilnahmen. Der Versuch wurde innerhalb von zehn Jahren nochmals wiederholt. Dabei zeigte sich dem Bericht zufolge nicht nur, daß Frauen viel mehr Begriffe der Liste behalten hatten, sondern auch, daß sie länger geistig frisch bleiben: Die Gedächtnisleistung der Männer läßt demnach bereits vom 20. Lebensjahr an nach. Frauen hingegen behielten ihr scharfes Erinnerungsvermögen, bis sie etwa 55 Jahre alt wurden. Verblüffenderweise schnitten selbst schwangere Frauen, die angeblich besonders vergeßlich sein sollen, bei den Tests besser ab als gleichaltrige Männer.

Für ihre Konzentrationsprobleme hatte ein anderes britisches Forscherteam kürzlich eine mögliche Erklärung gefunden: Seinen Messungen zufolge schrumpft bei werdenden Müttern das Hirn, erst sechs Wochen nach der Niederkunft hat es wieder die ursprüngliche Größe erreicht (siehe fwt 8/97, "New Scientist" No. 2064, S. 5). Eine zahlenmäßige Überlegenheit männlicher Denkzellen hatte vor wenigen Wochen eine dänische Neurologin gemeldet: Bente Pakkenberg vom Kommunehospital Kopenhagen hatte in weiblichen Hirnen im Durchschnitt 19 Milliarden Zellen gezählt, in männlichen dagegen 23 Milliarden.

"Wie wissen nicht, wozu die Männer ihre zusätzlichen Hirnzellen verwenden", sagte sie damals. Einen direkten Zusammenhang zwischen Intelligenz und Anzahl der Hirnzellen gebe es jedenfalls nicht. Für das bessere weibliche Erinnerungsvermögen liefert die Psychologin Huppert einen Erklärungsversuch: "Von Frauen wird erwartet, daß sie als ,Gedächtnis der Familie' fungieren. Sie sind diejenigen, die an wichtige Daten und Termine erinnern müssen. Eine mögliche Erklärung ist, daß sie dadurch ihr Gedächtnis einfach mehr trainieren konnten."


10/'97 TU-Pressestelle [ ]