HOCHSCHULPOLITIK

TU intern fragte bei den Dekanen nach, was sie von den Ideen halten, die TU-Präsident Ewers zur Neustrukturierung der TU-Fachbereiche vorgelegt hat. In dieser Ausgabe stellen wir die Antworten aus den Fachbereichen 1 und 2 vor.

Professor Dr. Wolfgang Benz, Dekan des Fachbereiches 1 Kommunikations- und Geschichtswissenschaft

Die Vorlage des Präsidenten entspricht Sachzwängen und Notwendigkeiten. Wesentliche Grundpositionen sind mit dem Selbstverständnis des FB 1 konsensfähig, insbesondere, daß geisteswissenschaftliche Disziplinen für eine Technische Universität unverzichtbar sind, daß sie wegen des allgemeinen Bildungswertes (studium generale) auch ohne direkten Technikbezug gerechtfertigt sind, daß sie über Servicefunktionen hinaus eigene Studiengänge zur Ausbildung ihres wissenschaftlichen Nachwuchses unterhalten müssen. Geisteswissenschaften an der TU unterliegen aber gleichzeitig besonderen Anforderungen, denen sie sich im Rahmen des Profils einer Technischen Universität in Kooperation und Vernetzung mit den natur- und technikwissenschaftlichen Studiengängen stellen müssen.

Fachbereiche können nicht als Themenpark organisiert werden, die Disziplinen müssen vielmehr in sinnvollem Bezug zueinander stehen, und gemeinsam nach außen kooperationsfähig sein. Der jetzige FB 1 versteht sich im Sinne einer an der TUB notwendigen Philosophischen Fakultät mit modifiziertem Technikbezug als homogen und ist für sinnvolle Ergänzungen seines Fächerkanons offen. Die strukturellen und inhaltichen Ziele der Präsidentenvorlage sind mit diesem Selbstverständnis vereinbar, Studiengänge wie Denkmalpflege, Medienberatung oder Semiotik und die interdisziplinären Aktivitäten der Zentren des Fachbereichs (Antisemitismusforschung, Frauen- und Geschlechtsforschung, Frankreichzentrum) stehen dafür, ebenso die Ausbildung von Studienräten in den Fächern Geschichte und Deutsch.

Ulf Preuss-Lausitz, Fachbereich 2 Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften

Der Akademische Senat hat beschlossen, die jetzigen 15 Fachbereiche auf 8 zu reduzieren. Diese Top-down-Entscheidung macht es kaum noch sinnvoll, darüber zu räsonieren, wie es die TU intern will. Dennoch: Innerhalb eines Jahrzehnts an der TU zwei Mal Fachgebiete, Institute und damit Menschen von einem Fachbereich in neue Zusammenhänge zu schieben, läßt sich nur mit zwingenden Argumenten begründen. Solche sind nicht erkennbar: Das Argument, mit wenigen Fachbereichen ließe sich besser verwalten, könnte erst geprüft werden, wenn klar wäre, welche Aufgaben und welche Ausstattung von der Zentralen Universitätsverwaltung an die Fachbereiche delegiert würden. Solch ein Konzept - geschweige denn eine Beschlußlage - liegt jedoch nicht vor. "Budgetierung" ist im übrigen nicht an die Größe von Einheiten gebunden. Die Fachbereiche sollten sich aus ihrer schwerpunkthaften Disziplinorientierung verknüpft mit zentralen eigenen Studiengängen ergeben. Daraus resultiert: Erst die Entscheidung über die dauerhafte Ansiedlung von Studiengängen und Disziplinen sagt auch etwas aus über die Zahl von Fachbereichen. Gegenwärtig scheint es mir wichtiger, daß an der TU über die Verbesserung von Studiengängen als neuerlich über die Frage "Wer mit wem in welchem Fachbereich" geredet würde. Im übrigen: Sollten Fachgebiete und Institute in andere Fachbereiche wechseln wollen - oder gar ganze Fachbereiche sich zusammentun wollen - wäre dies jederzeit möglich, ohne die gesamte Universität auf Jahre in administrative und kommunikative Probleme zu stürzen. Zusammenarbeit, sowohl in der Forschung wie in der Lehre, sollte jederzeit über die Fachbereichsgrenzen hinaus stattfinden - und das findet ja auch statt.


10/'97 TU-Pressestelle [ ]