NEU BERUFEN

Eckart Uhlmann


Ganzheitlich denken und arbeiten

Der neue Leiter im Produktionstechnischen Zentrum (PTZ) am Spreebogen heißt Eckart Uhlmann. Er tritt die Nachfolge des langjährigen Leiters Günter Spur an. Das PTZ wurde 1986 als Doppelinstitut gegründet, es besteht aus dem Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU Berlin und dem Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik. Unter der Leitung von Spur hatte sich das PTZ auf dem Gebiet der automatisierten Fertigungstechnik als "Fabrik der Zukunft" einen Namen gemacht. An diese Tradition möchte Uhlmann nun anknüpfen.

Der gebürtige Stuttgarter Uhlmann ist kein Unbekannter am Doppelinstitut der TU und der Fraunhofer-Gesellschaft. Von 1978 bis 1986 studierte er Maschinenbau an der TU Berlin und war anschließend mehrere Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberingenieur am PTZ tätig. Hier promovierte er 1993 bei Günter Spur. Danach wechselte Uhlmann in die private Wirtschaft zur Hermes Schleifmittel GmbH & Co. in Hamburg, ehe er nun an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte.

Über die Ausrichtung seiner künftigen Tätigkeit ist sich Eckart Uhlmann völlig im klaren: "Das produktionstechnische Wissen, das man sich angeeignet hat, muß auf andere Bereiche ausgedehnt und weiterentwickelt, gegebenenfalls auch angepaßt und neu aufgebaut werden". Der Bereich Produktionstechnik und Werzeugmaschinen nimmt aus der Sicht des 39jährigen eine wesentliche Rolle bei der Sicherung des Standortes Deutschland ein. Die Schlußfolgerung aus den derzeitigen strukturellen Schwierigkeiten lautet für ihn: Orientierung von wissenschaftlichen Forschungsvorhaben an den Anforderungen des Marktes.

Dabei sollen sich die Forscher am PTZ nicht nur auf ihre klassischen Arbeitsgebiete beschränken, sondern ihr Know-how auch bei der Herstellung von Komponenten und Bauteilen in der Verkehrstechnik, der Umwelttechnik oder der Recycling- und Demontagetechnik nutzen. Als kommende Aufgaben betrachtet er die Entwicklung neuer Maschinen- und Fertigungskonzepte sowie neuer Maschinenelemente. Außerdem gelte es, neue Konstruktionswerkstoffe und -formen zu erschließen. Ein wichtiges Ziel für Uhlmann ist es auch, die Herstellungskosten durch optimierte Maschinen bzw. verbesserte und umweltverträgliche Fertigungsprozesse zu verringern.

"Um ein attraktiver Partner für die Industrie im Bereich der Forschung zu sein, wird es für die Universität in zunehmendem Maße darauf ankommen, ganzheitliche Systemlösungen anzubieten", stellt Uhlmann fest. Das bedeutet, daß die Ingenieure schon bei der Produktentwicklung den gesamten Prozeß, beginnend von der Planung bis hin zur Wiederverwertung, optimieren und bewerten. Darüber hinaus müssen sie in der Lage sein, die Folgen abzuschätzen. Solche problemorientierten, ganzheitlichen Lösungsansätze erfordern eine hohe Interdisziplinarität der Forschungsthemen.

Interdisziplinäres Arbeiten gilt es daher den Studierenden schon so früh wie möglich im Studium beizubringen. Neben einer hohen fachspezifischen Kompetenz zeichnen ein übergeordnetes, anwendungsorientiertes Denken und eine methodisches Herangehen an Problemlösungen den Ingenieur von morgen aus, so Uhlmann.

Darin liegt nach seiner Ansicht die Zukunft der TU Berlin. "Der Universität muß es in der Funktion als center of excellence gelingen, ganzheitliche problemorientierte Denk- und Arbeitsweisen voranzutreiben". Auf diese Weise sieht der neue Leiter im PTZ eine Chance für die Universität, eine Spitzenposition in der Hochschullandschaft und als Partner für die Industrie einnehmen zu können und langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Für ihn ist es daher Herausforderung und Chance zugleich, in der Zeit der sich abzeichnenden Umbrüche an die TU Berlin zurückzukehren.

cho


10/'97 TU-Pressestelle [ ]