TU intern - Dezember 1998 - Wissenschaft

BIOPHYSIKALISCHE CHEMIE /urs/ Zu einem besseren Verständnis der lichtgetriebenen Wasserspaltung im pflanzlichen Photosystem II (ein Bestandteil der Photosynthese) sollen Untersuchungen am Max-Volmer-Institut für Biophysikalische Chemie und Biochemie beitragen. Die DFG bewilligte dazu Herrn Prof. Dr. W. Lubitz und Dr. F. Lendzian ein Projekt mit dem Titel "Elektronische und räumliche Struktur organischer Kofaktoren in orientierten Proteinkomplexen durch Hochfeld EPR/ENDOR-Spektroskopie". Im Zentrum der Untersuchungen steht ein Enzym, das Photosystem II, welches in Pflanzen vorkommt und dort die Oxidation von Wasser zu Sauerstoff katalysiert. Im Max Volmer Institut gelang es der Arbeitsgruppe Witt/Fromme erstmals, Kristalle aus solchen Enzymen herzustellen. Diese Proteinkristalle sollen nun mit der Hochfeld-Elektronenspinresonanz untersucht werden. Die Methode, die das Verhalten ungepaarter Elektronen in einem Magnetfeld untersucht, wird dazu genutzt, detaillierte Informationen darüber zu gewinnen, wie die katalytisch aktiven Moleküle in das Enzym eingebaut sein müssen, um zu funktionieren, und wie der katalytische Prozeß auf molekularer Ebene abläuft. Die DFG fördert das Projekt im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Hochfeld-EPR in Biologie, Chemie und Physik".

PHOTOSYNTHESEFORSCHUNG /tui/ Im Rahmen des Programms "Training and Mobility of Researchers" (TMR) hat die EU das Projekt "Molecular Mechanism of Photosynthetic Energy Conversion" bewilligt, in dem neben einer Berliner Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. W. Lubitz (Max-Volmer-Institut, TU Berlin) mehrere Forschungsgruppen aus Leiden, Padua, London, Athen, Paris und München zusammenarbeiten. Im Zentrum der Untersuchungen stehen die Reaktionszentren der Photosynthese, die mit Hilfe verschiedenster biophysikalischer Methoden, hauptsächlich der Elektronenspinresonanz-Spektroskopie, erforscht werden. Das Projekt dient zusätzlich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Insbesondere sollen Post-Doktoranden durch längere Aufenthalte in den Partnerlabors Erfahrungen sammeln und neue Techniken kennenlernen.

PROJEKTPLANUNG /urs/ Um die "Projektplanung bei beschränkten Ressourcen" geht es in der Arbeitsgruppe "Kombinatorische Optimierung und Graphenalgorithmen" bei Frederik Stork unter der Betreuung von Prof. Möhring. Ziel ist die Erstellung allgemeiner mathematischer Modelle und Programme zur Projektplanung und -steuerung. In der Praxis bestehen solche Projekte, sei es die industrielle Fertigung und Montage eines Produkts oder die Planung eines Bauvorhabens aus vielen Einzelvorgängen. Diese müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein und können oft nur in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt werden. Zur Planung des Gesamtprozesses müssen die Dauern der einzelnen Vorgänge vorgegeben werden, auch dann, wenn sie nicht genau vorherzusagen sind. In den neu zu entwickelnden Modellen sollen diese Vorgangsdauern nicht länger als feste Größen, sondern als Zufallsvariablen angenommen werden. Die Programme berücksichtigen dadurch bei der Projektplanung mehrere unterschiedlich wahrscheinliche Dauern für einen Vorgang. Dies ermöglicht realistischere Vorhersagen darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Projekt innerhalb eines gewünschten Zeitraumes durchgeführt werden kann. Das Forschungsprojekt ist Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Vorhabens, an dem Wissenschaftler der Universitäten Bonn, Berlin, Karlsruhe, Kiel und Osnabrück beteiligt sind.


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