TU intern - Februar 1998 - Aktuelles

Der erste Schritt ist getan

Akademischer Senat beschließt neue TU-Struktur Präsidialkommission nimmt ihre Arbeit auf

Am 21. Januar beschloß der Akademische Senat die Neugliederung in acht Fakultäten. Nun steht die Umsetzung im Mittelpunkt des Interesses. Bis Ende März muß die TU Berlin ihre Planung dem Wissenschaftssenator vorlegen, der sie dann dem Wissenschaftsrat zur Begutachtung geben will

Der erste Schritt der strukturellen Veränderung an der TU Berlin ist nach langem und zähem Ringen vollzogen: In einer nicht-öffentlichen Sitzung am 21. Januar beschloß der Akademische Senat (AS) eine neue Struktur für die Universität. TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers hatte zu Beginn der Sitzung bedauert, daß die Öffentlichkeit wegen drohender Proteste von Studierenden ausgeschlossen werden mußte. Doch sei es angesichts des Zeitrahmens, in dem die Vorschläge für die TU-Strukturreform dem Wissenschaftssenator vorgelegt werden müssen, notwendig, daß jetzt Entscheidungen getroffen werden. Insofern müsse eine Verzögerung durch eine weitere Sprengung von AS-Sitzungen vermieden werden.

In der Sitzung wurden ein Antrag der Mehrheitsfraktion (Unabhängige Hochschullehrer und unabhängige wissenschaftliche Mitarbeiter, RCDS und Liberale Mitte) und verschiedene Anträge der Reformfraktion diskutiert. Erstmals hatte die Reformfraktion eine Vorlage in den AS eingebracht, die von der gesamten Fraktion getragen wurde.

Sowohl die Mehrheits- als auch die Reformfraktion sehen in ihren Papieren eine Struktur für die TU Berlin mit acht Fakultäten bzw. Fachbereichen vor und eine künftige Professorenzahl von 320. Wie in der AS-Diskussion deutlich wurde, weichen bei näherem Hinsehen die Vorschläge nur in wenigen Punkten voneinander ab. Kontrovers diskutiert wurde beispielsweise die Bildung einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät mit der Vereinigung von Mathematik, Physik und Chemie und die Zuordnungen des Bauingenieurwesens sowie der Planungs- und Geowissenschaften. Eine Einigung über diese Probleme konnte in der Sitzung jedoch nicht erzielt werden. (Die unterschiedlichen Vorstellungen der Fraktionen stellen wir Ihnen hier vor.)

KNAPPE MEHRHEIT

In der Abstimmung über die verschiedenen Vorschläge setzte sich erwartungsgemäß die Mehrheitsfraktion, die im AS insgesamt 13 Stimmen auf sich vereint, durch. 11 Gegenstimmen bei keiner Enthaltung erhielt die Vorlage der Mehrheitsfraktion. Der Sprecher der Mehrheitsfraktion, Prof. Dr. Kurt Kutzler, sicherte jedoch Diskussionsbereitschaft über die wesentlichen strittigen Punkte für die nächsten AS-Sitzungen zu.

TU-Präsident Ewers begrüßte es, daß es zu einer Entscheidung im AS gekommen sei, auch wenn die nun beschlossene neue Struktur nicht in allen Punkten den ursprünglichen Vorstellungen des Präsidiums entspricht. Der Beschluß sei eine geeignete Basis für die weiteren Planungsschritte. Über die Zuordnung der Naturwissenschaften (Physik, Chemie) und der Mathematik könne man beispielsweise, so Ewers, tatsächlich geteilter Meinung sein. Einerseits lege die von praktisch allen gewollte Hinwendung der TU-Naturwissenschaften zu den Ingenieurwissenschaften eine Zusammenfassung der einzelnen Naturwissenschaften mit potentiellen ingenieurwissenschaftlichen Anwendungsgebieten nahe. Andererseits seien Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, daß die Zusammenlegung der Naturwissenchaften, der Mathematik, aber auch der Wirtschaftswissenschaften mit anwendungsorientierten Fachbereichen die Abstrahlbreite dieser für alle oder doch die meisten Ingenieurwissenschaften als Innovationsmotor, Basiswissenschaft oder Ergänzungswissenschaft unerläßlichen Disziplinen an der TU Berlin unnötig vermindern könne. Im speziellen Fall der Naturwissenschaften sei zu beachten, daß sie als grundlagenorientierte Wissenschaften auch an der TU Berlin stark gehalten werden müssen, weil sie sich im Bundesvergleich als besonders leistungsfähig gezeigt haben und diese Position ohne Not nicht preisgegeben werden sollte. Schließlich könne man die gewünschte Einbindung der Naturwissenschaften, der Mathematik oder der Wirtschaftswissenschaften in ihre ingenieurwissenschaftliche Anwendungsgebiete auch auf andere Weise als durch Zusammenlegung in gemeinsame Fakultäten erreichen, indem man bei der Definition und Organisation von Studiengängen und Forschungsschwerpunkten deutliche Anreize in Richtung auf die gewünschte Integration setzt.

FRIST BIS ENDE MÄRZ

Mit dieser AS-Entscheidung ist der erste Schritt der Strukturreform absolviert. In den weiteren Schritten folgen nun die Erarbeitung der Ausstattungspläne für die Fakultäten, die Reformierung der Studiengänge und die Verwaltungsreform. Für die Erarbeitung der Ausstattungs- und Studiengangsplanung ist eine Präsidialkommission eingesetzt worden, in der unter anderen die Vorsitzenden der Ständigen Kommissionen Forschung und Nachwuchs (FNK), Lehre und Studium (LSK) und Entwicklungsplanung (EPK), Vertreter der drei Fraktionen im AS und ein Vertreter für die jüngeren Professoren mitarbeiten. Am 29. Januar hat die Kommission mit ihrem Vorsitzenden, TU-Vizepräsident Günther Seliger, ihre Arbeit aufgenommen. Unter Hochdruck muß diese ihre Vorstellungen, die unter anderem auf der Grundlage von Anhörungen von Vertretern der neuen Fakultäten erfolgen soll, erarbeiten. Denn schon Ende März 1998 muß der Präsident die Vorschläge zur TU-Strukturreform inklusive Ausstattungs- und Studiengangsplanung dem Wissenschaftssenator vorlegen. Senator Radunski will dann den Wissenschaftsrat um Begutachtung der Strukturpläne der Berliner Hochschulen bitten. Am Ende dieses Procederes muß schließlich auch noch das Kuratorium der TU Berlin den Strukturvorschlag und den Ausstattungsplan beschließen.

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