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Nr. 6, Juni 2003
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Studentische Architekturprojekte in Mexiko gefährdet

Studierende bauen Schulen und Gesundheitszentren - Geldmangel bedroht den Fortgang der Arbeiten

Der studentische Bautrupp beim Richtfest der Jugendmusikschule in Ocotlan

Sechs Jahre lang leitete Professorin Ingrid Goetz erfolgreich das Praxis- und Studienprojekt "Studenten bauen in Mexiko". Auf Grund des TU-internen Stellenmanagements und der bekannten angespannten finanziellen Lage der Universität steht es jetzt vor dem Aus. Ingrid Goetz zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Projekt zurück. Seit ihrer Pensionierung vor einem Jahr hatte sie es ehrenamtlich weitergeführt, unterstützt von der Architektin und ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Ursula Hartig und dem Tutoren Axel Huhn.

"Das ist umso bitterer, weil für das nächste Jahr fünf interessante Bauprojekte in Dörfern der Sierra Mixe, dem Valle Zentral-Oaxaca und der Selva Lacandona in Chiapas akquiriert sind, deren Baufinanzierung zu Dreivierteln gesichert ist", erklärt Professorin Goetz, "eine Ärzteunterkunft, ein Gesundheitszentrum für alternative Medizin, ein Ausbildungszentrum für Gastronomie und traditionelle Kochkunst, und eine Bibliothek für Maya und Spanisch."

In diesem Frühjahr errichteten 47 deutsche und 11 mexikanische Studierende eine Musikschule mit großem Saal sowie Büro- und Übungsräumen für das Jugendmusikorchester der Fundación Cultural Rodolfo Morales in Ocotlan, Oaxaca. Auf dem Gelände der Asociación Civil "Casa de todos" (Haus für Alle) in Etla wurde die Wohnung eines Hausmeisters gebaut sowie ein traditionelles indigenes Schwitzhaus. In dem Dorf Santa Anna Zegache wurden zehn verschließbare Marktstände gezimmert.

Das große bereits existierende Netzwerk wurde auf die Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Architekten und Professor der UNAM, Alejandro D´Acosta, und der staatlichen Organisation des Büros für indigene Belange ausgedehnt. Die Kulturstiftung der mexikanischen Bank BANAMEX sagte die Zusammenarbeit in weiteren Projekten zu. Viele private Sponsoren hatten sich eingebracht, sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V., das Hilfswerk der Deutschen Lions e.V. Wiesbaden, die Fundacion Rodolfo Morales in Mexico und der Gouverneur von Oaxaca, Lic. Murat Casab.

Das Projekt, das mit einem Praktikum von zwei Architekturstudenten im Jahr 1998 begann, hat sich zu einer, in der Hochschullandschaft einzigartigen prototypischen, internationalen und interdisziplinären Studienform zwischen Lehre, Forschung und Praxis entwickelt. Weitere Praxisprojekte greifen auf die logistische und wissenschaftliche Struktur des Mexikoprojektes zurück:

  • Eine Schulbauinitiative des Studenten Francis Kéré in seinem Heimatdorf in Burkina-Faso,
  • Ein Projekt für ein ökologisches Zentrum in der Dominikanischen Republik,
  • Das Pilotprojekt "Studenten bauen in Kabul" unter Leitung von Professor Rainer Mertes, Ursula Hartig und Anne Seidel.

Diese interdisziplinären, länder- und kulturübergreifenden Erfahrungen führen zu dem Entschluss aller Studierenden und Beteiligten, diese Art des Projektstudiums weiterzuführen und als ein Studien-Reformmodell an der Fakultät VII zu etablieren. Leider scheint dieses Vorhaben an dem Fehlen der finanziellen und personellen Mittel zu scheitern.

Ursula Hartig,
Architektin

Vortrag und Ausstellung am 17.07.2003, 18 Uhr, Architekturgebäude, Straße des 17. Juni 152, Großer Hörsaal A 151
www.a.tu-berlin.de/mexico/
www.a.tu-berlin.de/kabul
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